Diabetes

Diabetes-Ernährungsplan: Verbessere dein Essverhalten

Medizinisch geprüft von Dr. med. Johannes von Büren

Zuletzt aktualisiert am

Diabetes-Ernährungsplan: Verbessere dein Essverhalten

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Wie Blutzuckerspitzen vermieden werden können

Ernährungspläne für Diabetes dienen als Hilfestellung, um zu verstehen, welche Lebensmittel in welchem Umfang und zu welchen Zeiten geeignet sind, um den Blutzuckerspiegel effektiv zu managen [1]. Durch die Struktur und Übersicht, die ein solcher Plan bietet, werden Menschen mit Diabetes unterstützt, informierte Entscheidungen über ihre Mahlzeiten und Snacks zu treffen.

Dies fördert ein gesundes Essverhalten und hilft dabei, den Blutzuckerspiegel im Zielbereich zu halten. Die Ausgestaltung eines solchen Plans kann stark variieren. Sie reicht von allgemeinen Lebensmittelempfehlungen über konkrete Rezepte, etwa via App, bis hin zu einem ausgearbeiteten Wochenprogramm, bei dem die konkreten Mahlzeiten aufgeführt werden. Wichtig ist, dass Pläne dieser Art von Ernährungsfachkräften erstellt werden.

Wann ist ein Ernährungsplan sinnvoll?

Ein Ernährungsplan kann sowohl zu Beginn einer Therapie als auch nur vorübergehend sinnvoll sein – dies ist ganz individuell und es gibt keine konkreten Empfehlungen dazu. Die Erstellung und Anpassung direkt nach der Diagnose hilft, den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren und zu lernen, wie der Blutzucker als bestimmte Mahlzeiten und/ oder Lebensmittel reagiert.

Ein solcher Ernährungsleitfaden ist jedoch kein Muss. Dies hängt von der individuellen Erkrankung, dem jeweiligen allgemeinen Gesundheitszustand sowie der spezifischen Behandlung ab. So können zum Beispiel Diabetes-Erkrankte, die eine intensivierte Insulintherapie oder eine Pumpentherapie erhalten, ihre Ernährung grundsätzlich sehr flexibel gestalten. Diese Methoden ermöglichen es, die Insulindosis präzise auf die tatsächliche Nahrungsaufnahme und den Lebensstil abzustimmen. [2]

Im Einzelfall abwägen

Auch das spezifische Krankheitsbild spielt eine Rolle: Wenn du dich in einer frühen Phase des Typ-2-Diabetes mit nur geringfügig erhöhten Blutzuckerwerten befindest, kannst du deinen Diabetes auch ohne einen Ernährungsplan managen, indem du „einfach“ bewusster und gesünder isst. Andere Fälle, insbesondere bei Typ-1-Diabetes oder fortgeschrittenem Typ-2-Diabetes, erfordern möglicherweise eine detailliertere Ernährungsstrategie, sodass ein Ernährungsplan hier hilfreich sein kann.

Das Für und Wider ist individuell für dich abzuwägen. Dabei solltest du neben deiner persönlichen Krankheitsgeschichte und deinem aktuellen Gesundheitszustand auch berücksichtigen, wie gut du darin bist, (vorgegebene) Ernährungsentscheidungen im Alltag konsequent umzusetzen.

Was für einen Ernährungsplan bei Diabetes spricht

  • Blutzuckerkontrolle: Ein gut durchdachter Ernährungsplan hilft dabei, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und Blutzuckerspitzen sowie -abfälle zu vermeiden.
  • Gewichtsmanagement: Ein strukturierter Plan kann helfen, das Gewicht zu kontrollieren oder zu reduzieren, was besonders bei Typ-2-Diabetes wichtig ist.
  • Vermeidung von Komplikationen: Eine ausgewogene Ernährung kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenschäden und andere diabetesbedingte Komplikationen reduzieren.
  • Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens: Eine ausgewogene Ernährung trägt zur allgemeinen Gesundheit bei und kann das Energieniveau und die Lebensqualität verbessern.
  • Erhöhung der Insulinempfindlichkeit: Eine bewusste Wahl der richtigen Lebensmittel kann die Empfindlichkeit deines Körpers gegenüber Insulin erhöhen, sodass er das Insulin effektiver nutzen kann.

Argumente gegen einen strikten Ernährungsplan bei Diabetes

  • Einschränkungen und Stress: Ein strikter Ernährungsplan kann als belastend empfunden werden und zu vermehrtem Aufwand und Stress führen.
  • Soziale Isolation: Strenge Diätvorgaben machen es schwer, an sozialen Aktivitäten teilzunehmen, bei denen Essen im Mittelpunkt steht.
  • Fehlende Flexibilität: Ein zu rigider Plan lässt wenig Raum für spontane Entscheidungen und Genuss. Damit wird es unwahrscheinlicher, dass du dich langfristig daran hältst.
  • Individuelle Unterschiede: Jeder Mensch hat verschiedene Vorlieben und reagiert zudem unterschiedlich auf Lebensmittel und Diäten. Eine Art Standard-Plan für jede Person gibt es nicht.

Wie viele Kalorien sind für Diabetiker:innen am Tag empfehlenswert?

Die optimale Kalorienzufuhr bei Typ-2-Diabetes hängt von individuellen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Gewicht, Aktivitätsniveau und persönlichen Gesundheitszielen ab. Es gibt keine Einheitslösung, dennoch gilt: Für viele Menschen mit Typ-2-Diabetes kann eine moderate und langfristige Kalorienreduktion zur Gewichtsabnahme beitragen, was oft die Blutzuckerkontrolle verbessert. Eine gängige Empfehlung ist eine Reduktion von etwa 500 Kalorien pro Tag, um etwa 0,5 bis 1 kg pro Woche abzunehmen. Wichtig ist, dass du deine Ernährung dauerhaft umstellst. Crash-Diäten können deinen Gesundheitszustand, wie bei Menschen ohne Diabetes auch, negativ beeinflussen und gehen häufig mit einem Jojo-Effekt einher. [3,4]

Wie viele Mahlzeiten am Tag empfehlenswert sind, hängt ebenfalls von verschiedenen individuellen Faktoren wie Lebensstil, Medikamenten und spezifischen gesundheitlichen Zielen ab. Für einige Menschen sind drei Hauptmahlzeiten und ein bis zwei Zwischensnacks ideal, für andere mehrere kleine Mahlzeiten. Wichtig ist vor allem eines: die Regelmäßigkeit der Mahlzeiten. So bleibt der Blutzuckerspiegel stabil und Heißhungerattacken werden vermieden.

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Welche Lebensmittel sind erlaubt?

Und was kommt nun auf den Tisch? Das hängt davon ab, was schmeckt. Es gibt jedoch einige Richtlinien zur Orientierung. Beispielsweise wird für Diabetiker:innen, insbesondere für Typ-2-Diabetiker:innen, eine mediterrane Ernährung empfohlen. Diese beinhaltet viel Gemüse, Olivenöl, Fisch und Hülsenfrüchte. Auch eine vegetarische oder ausgewogene vegane Ernährungsweise ist für Diabetiker:innen eine gute Alternative.[5]

Als Snack sind Lebensmittel mit komplexen Kohlenhydraten wie Vollkorncracker eine Option. Sie enthalten Ballaststoffe, die zur Stabilisierung des Blutzuckerspiegels beitragen. Auch Gemüse mit geringem Stärkegehalt wie Paprika, Tomaten oder Gurken sowie zuckerarmes Obst wie ungeschälte Äpfel, Birnen, Beeren, Zitrusfrüchte und Melone können auf dem Ernährungsplan stehen.

➚ Lies mehr über das geeignete Obst bei Diabetes.

Obwohl eine kohlenhydratarme Ernährung empfohlen ist, sind Kohlenhydrate nicht verboten. Es ist jedoch ratsam, darauf zu achten, welche Art von Kohlenhydraten es sind. Getreideprodukte wie Weißbrot oder weiße Nudeln lassen den Blutzuckerspiegel in die Höhe schnellen. Komplexe Kohlenhydrate wie Quinoa, Vollkornprodukte oder Hülsenfrüchte sind eine gute Alternative für Diabetiker:innen. Sie enthalten viele Ballaststoffe und haben einen niedrigeren glykämischen Index, lassen den Blutzucker also weniger und sanfter ansteigen. [6]

➚ Erfahre hier, wie Kartoffeln in eine Ernährung bei Diabetes passen.

Welche Lebensmittel sind eher ungünstig?

Manche Lebensmittel sind für Diabetiker:innen jedoch weniger empfehlenswert. Hierzu zählen stark verarbeitete Getreideprodukte wie Weißbrot, weiße Nudeln und weißer Reis sowie zuckerhaltige Lebensmittel wie Süßigkeiten, Kuchen, Kekse, Limonaden und gesüßte Säfte. Auch schnell verdauliche Kohlenhydrate wie Kartoffelchips, Pommes frites und andere stark verarbeitete Snacks sind nicht die optimale Wahl.

Alkohol steht ebenfalls auf der Liste der Lebensmittel, die, ebenso wie bei Menschen ohne Diabetes, mit Bedacht genossen werden sollten [7]. Da Alkohol den Blutzuckerspiegel senkt, kann es bei Diabetiker:innen außerdem leicht zu einer Unterzuckerung kommen.

Wer hilft beim Erstellen eines Ernährungsplans?

Ein individuell abgestimmter Ernährungsplan, der in Zusammenarbeit mit Ernährungsfachkräften erstellt wird, kann besonders hilfreich sein, um die besten Kohlenhydratquellen und -mengen für deine spezifischen Bedürfnisse festzulegen. Die fachliche Expertise berücksichtigt dabei deine individuellen Bedürfnisse und Herausforderungen im Hinblick auf deine Diabetes-Erkrankung und ihre Behandlung, deine Gesundheit, deinen Lebensstil, deine Ernährungsvorlieben und vieles mehr. Die regelmäßige Kontrolle des Blutzuckerspiegels ist wichtig, um die Wirksamkeit deines Ernährungsplans zu überprüfen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. [8]
Quellen
  1. [1] Magkos, F., Hjorth, M.F. and Astrup, A. (2020). Diet and Exercise in the Prevention and Treatment of Type 2 Diabetes Mellitus. Nature Reviews Endocrinology, [online] 16(10), pp.545–555.
  2. [2] Kössler, T. (n.d.). Ernährung bei Diabetes Typ 1.
  3. [3] Kelley, D.E., Wing, R., Buonocore, C., Sturis, J., Polonsky, K. and Fitzsimmons, M. (1993). Relative effects of calorie restriction and weight loss in noninsulin-dependent diabetes mellitus. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, [online] 77(5), pp.1287–1293.
  4. [4] Ernst JB, Arens-Azevêdo U, Bitzer B, Bosy-Westphal A, de Zwaan M, Egert S, Fritsche A, Gerlach S, Hauner H, Heseker H, Koletzko B, Müller-Wieland D, Schulze M, Virmani K, Watzl B, Buyken AE für Deutsche Adipositas-Gesellschaft, (2018). Quantitative Empfehlung zur Zuckerzufuhr in Deutschland.
  5. [5] Papamichou, D., Panagiotakos, D.B. and Itsiopoulos, C. (2019). Dietary patterns and management of type 2 diabetes: A systematic review of randomised clinical trials. Nutrition, Metabolism and Cardiovascular Diseases, 29(6), pp.531–543.
  6. [6] Petroni, M.L., Brodosi, L., Marchignoli, F., Sasdelli, A.S., Caraceni, P., Marchesini, G. and Ravaioli, F. (2021). Nutrition in Patients with Type 2 Diabetes: Present Knowledge and Remaining Challenges. Nutrients, [online] 13(8), p.2748.
  7. [7] van de Wiel, A. (2004). Diabetes mellitus and alcohol. Diabetes/metabolism research and reviews, [online] 20(4), pp.263–7. doi:
  8. [8] e. V, D.D.-G. (2019). Stellungnahme des Ausschuss Ernährung der DDG zum Consensus Report: Nutrition Therapy for Adults with Diabetes or Prediabetes. [online] Deutsche Diabetes Gesellschaft e.V.

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