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Wie hängen Hormone und das Gewicht zusammen?

Medizinisch geprüft von Dr. med. Johannes von Büren

Zuletzt aktualisiert am

Hormone und Gewicht: Zusammenhänge erklärt

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Das Wichtigste in Kürze

  • Hormone steuern Hunger, Sättigung und Energieverbrauch.
  • Sie beeinflussen dein Gewicht, ersetzen aber nicht die Energiebilanz.
  • Hormonstörungen führen meist zu moderaten Gewichtsschwankungen.
  • Wechseljahre und Alter verändern die Körperzusammensetzung.
  • Bei anhaltenden Beschwerden ist eine ärztliche Diagnostik sinnvoll.

Was sind Hormone?

Hormone sind Botenstoffe deines Körpers. Sie übertragen Signale zwischen den Organen. So steuert dein Körper viele Abläufe. Sie werden in diversen Drüsen gebildet und über das Blut verteilt. Dort erreichen sie ihre Zielorgane und geben Signale weiter [1].

Sie steuern viele Prozesse, zum Beispiel:

  • deinen Stoffwechsel
  • dein Hunger- und Sättigungsgefühl
  • deinen Schlaf
  • deine Fortpflanzung
  • deinen Wasserhaushalt

Wie beeinflussen Hormone das Gewicht?

Hormone beeinflussen Hunger, Stoffwechsel und Fettverteilung, doch sie sind selten die alleinige Ursache für Übergewicht. Das Körpergewicht wird durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren bestimmt: Kalorienbilanz, Bewegung, Schlaf, Stress und genetische Veranlagung spielen dabei ebenso eine Rolle wie Hormone.

Wichtig zu verstehen: Hormone beeinflussen den Stoffwechsel, sie setzen die Gesetze der Energiebilanz jedoch nicht außer Kraft. Wenn du mehr Energie aufnimmst, als dein Körper verbraucht, führt das langfristig zu einer Gewichtszunahme, unabhängig vom Hormonhaushalt. Hormone können jedoch beeinflussen, wie viel Energie der Körper verbraucht, wie stark das Hungergefühl ist und wo der Körper Fett einlagert.

➚ Erfahre hier mehr über deine Energiebilanz

Welche Hormone nehmen Einfluss auf das Gewicht?

Gerät der Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht, kann dies unterschiedliche Auswirkungen auf den Körper haben. Dabei gibt es unterschiedliche Hormone, die das Gewicht beeinflussen können und eine Rolle beim Hunger- oder Sättigungsgefühl, beim Stoffwechsel oder bei der Stressreaktion spielen.

Hormone, die das Körpergewicht beeinflussen [2]:

  • Ghrelin
  • Leptin
  • Insulin
  • Cortisol
  • Schilddrüsenhormone (T3 und T4)
  • Geschlechtshormone (Östrogen, Progesteron, Testosteron)

Ghrelin – das Hungerhormon

Ghrelin wird im Magen gebildet und signalisiert deinem Gehirn, dass du Hunger hast. Vor dem Essen steigt der Ghrelinspiegel. Nach dem Essen sinkt er wieder [2]. Wenn Ghrelin ausgeschüttet wird, wird das Hungergefühl stärker, weshalb es als „Appetitanreger“ gilt [3].

Leptin – das Sättigungshormon

Leptin entsteht im Fettgewebe. Es signalisiert deinem Gehirn, dass ausreichend Energie gespeichert ist. Während Ghrelin das Hungergefühl steigert, wirkt Leptin als Gegenspieler: Es löst ein Sättigungsgefühl aus. Dadurch wird der Appetit gehemmt.

Was ist Leptinresistenz?

Bei einer Leptinresistenz reagiert dein Gehirn schwächer auf das Signal der Sättigung. Du fühlst dich weniger satt, obwohl dein Körper genug Energie gespeichert hat [3]. Das bedeutet nicht, dass dir „Willenskraft“ fehlt. Es handelt sich um einen biologischen Anpassungsmechanismus.

Insulin – der Blutzuckerregler

Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Es hilft, Zucker aus dem Blut in die Zellen zu transportieren, damit unsere Energiespeicher gefüllt sind. Nach der Nahrungsaufnahme wird Insulin ausgeschüttet, um den Zucker (Glukose) zu verwerten.

Was ist Insulinresistenz?

Bei einer Insulinresistenz reagieren Zellen weniger empfindlich auf Insulin. Der Körper produziert mehr davon, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Dadurch bleiben die Insulinspiegel im Blut dauerhaft erhöht. Langfristig kann das das Risiko für Typ-2-Diabetes und weitere Stoffwechselstörungen erhöhen.

Insulin fördert zusätzlich die Fettspeicherung, insbesondere im Bauchbereich. Bei einer Insulinresistenz kann es zu vermehrtem Bauchfett führen.

Cortisol – das Stresshormon

Cortisol wird in der Nebenniere gebildet und stellt Energie bereit, wenn du Stress erlebst. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Energiebereitstellung in Stresssituationen.

➚ Hier gibt es mehr Infos zu Cortisol und Gewicht sowie Tipps zum Senken des Cortisolspiegels.

Akuter vs. chronischer Stress

Bei akutem Stress liefert Cortisol kurzfristig Energie. Kurzfristig ist das hilfreich. Chronisch erhöhter Stress kann jedoch:

  • Appetit steigern
  • Schlaf stören
  • Bauchfett begünstigen

Schilddrüsenhormone – T3 und T4

Die Schilddrüse bildet die Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) und steuern deinen Grundumsatz. Sie bestimmen, wie hoch der Grundumsatz ist, fördern die Wärmeproduktion (Thermogenese) und beeinflussen, wie gut der Körper Fette und Kohlenhydrate zur Energiegewinnung nutzt.

Was ist Schilddrüsenunterfunktion?

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) werden zu wenig T3 und T4 produziert. Dadurch verlangsamt sich der Stoffwechsel, was zu einer Gewichtszunahme führen kann. Typische weitere Anzeichen sind Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, trockene Haut und ein verlangsamter Herzschlag [12].

Geschlechtshormone – Östrogen, Progesteron und Testosteron

Östrogene und Progesteron zählen zu den weiblichen Geschlechtshormonen (Sexualhormonen). Sie steuern den Menstruationszyklus, die Schwangerschaft. Außerdem beeinflussen sie den Energieverbrauch, die Fettverteilung, den Appetit und die Insulinempfindlichkeit. Die Konzentration der Hormone kann je nach Lebensphase zunehmen oder abnehmen.

Über weiblichen Hormonschwankungen erfährst du hier mehr: Gewichtszunahme während der Periode

Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon, kommt aber auch bei Frauen in geringeren Mengen vor. Es hat direkten Einfluss auf Muskelmasse, Grundumsatz und Fettverteilung.

Bei Männern: Testosteron fördert den Muskelaufbau und erhöht dadurch den Grundumsatz. Ein Testosteronmangel kann zu Muskelabbau, verringertem Energieverbrauch und verstärkter Fetteinlagerung führen, besonders im Bauchbereich.

Bei Frauen: Auch bei Frauen spielt Testosteron eine Rolle für Muskelmasse und Stoffwechsel, jedoch nur in geringerem Maße.

Fettzunahme oder Wassereinlagerung?

Nicht jede Gewichtszunahme bedeutet automatisch eine Zunahme von Körperfett. Es ist wichtig, zwischen echter Fettmasse und hormonell bedingten Wassereinlagerungen zu unterscheiden.

Was ist echte Fettmasse?

Echte Fettzunahme entsteht langfristig durch eine positive Energiebilanz – wenn du über einen längeren Zeitraum mehr Kalorien aufnimmst, als dein Körper verbraucht. Diese Zunahme erfolgt allmählich und bleibt bestehen, bis es zu einer ausgeglichenen Energiebilanz kommt.

Was sind Wassereinlagerungen?

Wassereinlagerungen (Ödeme) entstehen, wenn Flüssigkeit im Gewebe gespeichert wird. Hormonelle Schwankungen während des Menstruationszyklusoder in den Wechseljahren können solche Einlagerungen begünstigen. Diese Gewichtsschwankungen sind meist vorübergehend und können innerhalb weniger Tage wieder verschwinden.

Können Hormone allein Übergewicht verursachen?

Nein, Hormone sind selten die alleinige Ursache für starkes Übergewicht.

Hormone beeinflussen Hunger, Sättigung, Stoffwechselrate und Fettverteilung. Sie können es leichter oder schwerer machen, ein gesundes Gewicht zu halten. Dennoch gilt: Auch bei hormonellen Störungen entsteht Übergewicht durch eine langfristig positive Energiebilanz.

Beispiele:

  • Bei Schilddrüsenunterfunktion verlangsamt sich der Stoffwechsel, wodurch der Körper weniger Energie verbraucht. Die typische Gewichtszunahme liegt bei ca. 2–5 kg [13].
  • Bei Insulinresistenz oder Leptinresistenz können Hunger und Sättigung gestört sein. Dennoch entsteht Übergewicht erst, wenn langfristig mehr gegessen wird, als der Körper benötigt.

Wichtige Einordnung: Hormone sind ein Faktor unter mehreren. Bewegung, Ernährung, Schlaf, Stress und genetische Veranlagung spielen ebenfalls wichtige Rollen. Bei Verdacht auf eine hormonelle Störung ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Eine umfassende Lebensstiländerung bleibt in den meisten Fällen der wichtigste Schritt zur Gewichtsregulation.

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Christopher
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Wie erkenne ich hormonell bedingte Gewichtszunahme?

Folgende Anzeichen können auf eine hormonelle Ursache hinweisen:

  • Unerklärliche Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung und Bewegung
  • Müdigkeit, Erschöpfung, Kälteempfindlichkeit (Hinweis auf Schilddrüsenunterfunktion)
  • Verstärkter Hunger trotz ausreichender Nahrungsaufnahme
  • Gewichtszunahme vor allem im Bauchbereich (kann auf Insulinresistenz oder erhöhten Cortisolspiegel hinweisen)
  • Zyklusunregelmäßigkeiten, ausbleibende Periode
  • Stimmungsschwankungen, Schlafprobleme

Wann solltest du ärztlich abklären lassen?

Wenn mehrere Symptome über Wochen bestehen, sprich mit deiner Hausärzt:in oder einer endokrinologischen Fachperson. Typische Laborwerte sind:

  • Schilddrüsenhormone (TSH, T3, T4)
  • Nüchtern-Blutzucker und HbA1c (Langzeitblutzucker)
  • Cortisol
  • Geschlechtshormone (Östrogen, Progesteron, Testosteron)

Hormondiäten im Faktencheck

Hormondiäten versprechen schnellen Gewichtsverlust durch hormonelle Steuerung. Die bekannteste Form ist die HCG-Diät. Sie kombiniert Hormongaben mit extrem niedriger Energiezufuhr von etwa 500 kcal pro Tag.

Studien zeigen, dass der Gewichtsverlust durch die starke Kalorienreduktion entsteht. Ein zusätzlicher Effekt des Hormons ist nicht belegt. [11]

Was ist die HCG-Diät?

Der Körper bildet während einer Schwangerschaft das Hormon Humanes Choriongonadotropin (HCG). Durch dieses soll der Körper bei geringer Nahrungsaufnahme leistungsfähig bleiben und vermehrt Fett statt Muskeln abbauen [11].

Die Diät kombiniert die Einnahme von HCG mit einer extremen Kalorienrestriktion auf nur 500 Kalorien pro Tag [11].

Das Problem: Wie auch bei vielen anderen Diäten handelt es sich hier um einen kurzfristigen Weg, schnell viele Kilos zu verlieren. Durch die besonders stark eingeschränkte Nahrungszufuhr ist wahrscheinlich, dass du nicht genügend Mineralstoffe und Vitamine aufnimmst. Du kannst außerdem unter Stimmungsschwankungen, Erschöpfung leiden und fühlst dich schnell gereizt.

Diäten wirken häufig nur kurzweilig. Durch die extremen Anforderungen sind sie langfristig nicht umsetzbar. Eine langsame, aber dafür konstante Ernährungsumstellung unterstützt dich dabei, dich langfristig fit zu fühlen. So kannst du nachhaltig und gesund abnehmen.

Fazit

Hormone beeinflussen Hunger, Sättigung, Energieverbrauch und Fettverteilung. Sie können die Gewichtsabnahme erschweren, sind jedoch nicht die alleinige Ursache für Übergewicht. Nicht jede Gewichtszunahme ist eine Zunahme an Fett. Hormonelle Schwankungen führen häufig zu vorübergehenden Wassereinlagerungen.

Bei anhaltenden Beschwerden wie z. B. Müdigkeit oder Zyklusveränderungen ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Langfristige Gewichtsreduktion gelingt am besten durch einen ganzheitlichen Ansatz mit Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stressregulation.

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