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Abführmittel beim Abnehmen?

Medizinisch geprüft von Dr. med. Johannes von Büren

Zuletzt aktualisiert am

Helfen Abführmittel beim Abnehmen?

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Was sind Abführmittel?

Abführmittel (Laxanzien) sind Medikamente, die hauptsächlich zur kurzfristigen Behandlung von Verstopfung (Obstipation) eingesetzt werden. Sie sollen den Verdauungstrakt und somit den Kot (Stuhl) wieder in Bewegung bringen [1]. Laxanzien sind in verschiedenen Formen erhältlich, wie z. B. in Form von Tabletten, Zäpfchen, Kapseln, Flüssigkeiten, Pulver und Kaugummis. Auch einige Lebensmittel können abführend wirken.

Wann sollte man Abführmittel nehmen?

Laxanzien werden z. B. bei Verstopfung, zur Darmentleerung vor einer diagnostischen Untersuchung, bei schmerzhaften Analleiden, vor oder nach einem operativen Eingriff und zum Ausleiten oral aufgenommener Gifte verordnet [1]. Trifft keines dieser Anwendungsgebiete auf dich zu, benötigst du in der Regel keine Abführmittel. Ist der Stuhlgang mal erschwert, kannst du ihn durch vermehrte Bewegung, ballaststoffreiche Ernährung sowie eine ausreichende Trinkmenge unterstützen.

Stichwort „Arzneimittelmissbrauch

Dennoch gibt es viele Menschen, die Abführmittel missbrauchen, also sie absichtlich und über längere Zeit einnehmen, ohne dass ein medizinischer Grund vorliegt. Die größte Gruppe von Betroffenen sind Menschen mit Adipositas oder Essstörungen wie Anorexie (Magersucht) oder Bulimie (Ess-Brech-Sucht). Sie nutzen Abführmittel, um schnell überschüssiges Essen loszuwerden.

Eine weitere Gruppe besteht aus Personen, die ursprünglich Abführmittel wegen Verstopfung genommen haben und sie weiterhin regelmäßig verwenden, weil sie glauben, dass sie sonst keinen normalen Stuhlgang mehr haben könnten (Stichwort Gewöhnung und Abhängigkeit). Auch Sportler:innen, die Sportarten mit Gewichtsbeschränkungen betreiben, neigen dazu, Abführmittel zu missbrauchen. [2]

Wie wirken Abführmittel?

Abführmittel führen durch verschiedene Mechanismen zu einer Beschleunigung der Darmentleerung. Sie werden nach ihrem Wirkmechanismus unterschieden: [1]

Die meisten Abführmittel erhöhen das Stuhlvolumen, indem sie Wasser aus dem Körper in den Darm ziehen. Dadurch wird der Druck im Darm erhöht und die Darmbewegungen werden gefördert. Klassische volumenbildende Abführmittel sind ballaststoffreiche Lebensmittel oder Quellstoffe wie Leinsamen, Weizenkleie oder Flohsamenschalen.

Ähnliche Wirkungen haben osmotische und stuhlweichmachende Abführmittel. Sie ziehen Wasser in den Darm, machen den Stuhl weicher und erleichtern so die Ausscheidung. Beispiele hierfür sind Lactulose, Magnesiumhydroxid, Polyethylenglykol (z. B. Macrogol), Docusat-Natrium und Docusat-Kalium.

Gleitende Abführmittel machen den Stuhl gleitfähiger und befeuchten die Darmwand, wodurch der Stuhl leichter passiert. Mineralische Öle sind ein Beispiel dafür.

Die problematischsten Abführmittel in Bezug auf Missbrauch sind stimulierende oder darmreizende Abführmittel. Sie regen die Darmmuskulatur an und fördern die Darmbewegung. Beispiele sind Senna, Bisacodyl (z. B. Dulcolax) oder Rizinusöl. Bei diesen Mitteln besteht ein höheres Risiko für Abhängigkeit, da der Darm mit der Zeit träger wird und immer höhere Dosierungen benötigt werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. [2]

Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es?

Die regelmäßige Einnahme von Quell- oder Füllmitteln wie Leinsamen oder Flohsamenschalen ist relativ unbedenklich. Die Einnahme von anderen Abführmitteln führt immer zu einer Beschleunigung der Darmpassage. Der Körper kann dadurch die Verdauungssäfte und Mineralstoffe nicht ausreichend aufnehmen bzw. ausgleichen. Daher kann es bei längerfristigem Gebrauch zu schweren Nebenwirkungen kommen. Die bekanntesten sind: [3]

Elektrolyt-Ungleichgewichte Elektrolyte wie Kalium, Magnesium, Natrium, Kalzium und Chlorid tragen zur Regulierung wichtiger Körperfunktionen bei. Ein Elektrolyt-Ungleichgewicht kann zu Schwäche- und Krampfanfällen, Muskelschäden, Verwirrung, Herzrhythmusstörungen, Darmträgheit und in extremen Fällen sogar Herzrasen führen.

Chronische Verstopfung Der regelmäßige Konsum von Abführmitteln kann zu chronischer Verstopfung führen, weil der Körper eine Toleranz gegenüber den Laxanzien entwickeln kann.

Abhängigkeit von Abführmitteln Dein Körper kann sich dran gewöhnen, Abführmittel zu benötigen, um auf die Toilette zu gehen und so eine Abhängigkeit entwickeln.

Dehydrierung Da Abführmittel Wasser aus verschiedenen Teilen des Körpers entziehen, kann dies zu Dehydrierung, Durst, Müdigkeit, Übelkeit, Schwindel und trockener Haut führen.

Beeinträchtigte Darmfunktion Der Darm kann seine Nerven- und Muskelfunktion verlieren, was den Stuhlgang erschwert. Dies führt dazu, dass Abfallstoffe länger im Darm verbleiben.

Nierenversagen Studien haben gezeigt, dass bei Betroffenen mit Essstörungen, die in der Vergangenheit übermäßig viele Abführmittel eingenommen haben, häufiger ein Nierenversagen auftrat. [4]

Leberschäden Abführmittelmissbrauch kann zu Leberschäden führen, die Bauchschmerzen, dunkel gefärbten Urin und blass gefärbten Stuhl verursachen können.

Erhöhtes Krebsrisiko (Nieren, Harnwege, Darm) Zudem besteht der Verdacht, dass bei regelmäßigem Gebrauch von Abführmitteln das Risiko von Krebserkrankungen der Harnwege und des Darms steigt.

Höheres Demenz-Risiko Forschungen aus 2023 lassen außerdem vermuten, dass der regelmäßige Gebrauch von Abführmitteln mit einem signifikant höheren Demenzrisiko einhergeht.

Die regelmäßige Einnahme von Abführmitteln birgt gesundheitliche Risiken. Du solltest Abführmittel daher nur gezielt und kurzfristig bei Verstopfung oder oben genannten Indikationen einsetzen – und nicht zur Gewichtsabnahme.

Warum werden Abführmittel zum Abnehmen verwendet?

Es gibt immer noch den weit verbreiteten Irrglauben, dass Abführmittel beim Abnehmen helfen, indem sie den Stuhlgang anregen und so verhindern, dass Kalorien aufgenommen werden. Besonders gefährdet für diese Fehleinschätzung sind Menschen mit Übergewicht und Essstörungen. Vor allem Menschen mit Essstörungen greifen oft nach einem Essanfall zu Abführmitteln, in der Hoffnung, die aufgenommenen Kalorien schnell wieder loszuwerden.

Kann man also mit Abführmitteln abnehmen?

Nein. Abführmittel wirken erst im Dickdarm, aber die Nährstoffe werden schon im Magen und Dünndarm aufgenommen. Deshalb reduzieren sie nicht die Kalorienaufnahme, sondern beeinflussen nur den Wassergehalt in deinem Körper. Das Gewicht, das du verlierst, ist nur vorübergehend und kommt durch den Wasserverlust und den ausgeschiedenen Stuhl zustande.

Abführmittel sind kein nachhaltiges und gesundes Mittel, um Gewicht zu verlieren. Stattdessen können sie ernsthafte gesundheitliche Komplikationen mit sich bringen, da sie dem Körper Wasser und lebenswichtige Mineralien, Elektrolyte und Nährstoffe entziehen. Als Methode zur Gewichtskontrolle wird daher von der Einnahme von Abführmitteln abgeraten.

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Abführmittelentzug: Abführmittel absetzen

Wenn du ein Abführmittel über einen längeren Zeitraum eingenommen hast, solltest du es nicht abrupt absetzen, da dann die Gefahr eines Darmverschlusses besteht. Besonders wenn du bereits eine höhere Dosierung genommen hast, solltest du das Abführmittel in kleinen Schritten, langsam und unter ärztlicher Begleitung absetzen. Wichtig ist, die Darmbewegung zu beobachten, ausreichend zu trinken und die Darmentleerung mit Maßnahmen wie ballaststoffreicher Ernährung oder zusätzlichen Füllstoffen wie Flohsamenschalen zu unterstützen. [5]

Welche Alternativen gibt es?

Bei einer gesunden und nachhaltigen Gewichtsabnahme können dir eine ausgewogene Ernährung, ausreichend und regelmäßige Bewegung sowie langfristige Verhaltensänderungen helfen.

Leidest du unter Verstopfung oder möchtest dein Darmmikrobiom unterstützen, können natürliche Abführmittel wie Leinsamen oder Flohsamenschalen mit ausreichend Flüssigkeit sowie Probiotika helfen.

Fazit

Es kann verlockend sein, alles zu versuchen, um abzunehmen und eine Gewichtszunahme zu vermeiden. Aber der Griff zu Abführmitteln schadet deiner Gesundheit mehr, als dass er nützt. Wegen der vielen Nebenwirkungen und Risiken sollten sie nur kurzfristig und bei medizinischer Indikation wie z. B. Verstopfung eingesetzt werden. Die beste Alternative, nachhaltig Gewicht zu verlieren und zu halten, sind eine ganzheitliche Herangehensweise mit einer ausgewogenen Ernährung, ausreichend körperlicher Aktivität sowie langfristigen Verhaltensänderungen.
Quellen
  1. [1] Bashir A, Sizar O. Laxatives. 2024 Jan 30. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2024 Jan–. PMID: 30725931.
  2. [2] Roerig et al. (2010): Laxative abuse: epidemiology, diagnosis and management. Drugs. 2010 Aug 20;70(12):1487-503. (letzter Aufruf am 19.03.24)
  3. [3] AWMF (2023): Leitlinienreport zu der aktualisierten S2k-Leitlinie chronische Obstipation der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie & Motilität (DGNM). (letzter Aufruf am 19.03.24)
  4. AOK Gesundheitsmagazin: Wie gefährlich sind Abführmittel und was ist Laxanzienabusus?, In: (letzter Aufruf am 19.03.24)
  5. [5] Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (ohne Jahreszahl): Medikamente und Sucht: Laxanzien. In: (letzter Aufruf am 19.03.24)
  6. Health Match (2022): The Truth About Laxatives For Weight Loss. In: (letzter Aufruf am 22.03.24)
  7. [4] Copeland PM. (1994): Renal failure associated with laxative abuse. Psychother Psychosom. 1994;62(3-4):200-2. PMID: 7531354.

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