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Alles über die Ernährung bei PCOS

Medizinisch geprüft von Dr. med. Johannes von Büren

Zuletzt aktualisiert am

Alles über die Ernährung bei PCOS

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Was ist das PCOS?

PCOS ist eine komplexe Störung, die häufig mit einer Überproduktion von männlichen Geschlechtshormonen (Androgenen) einhergeht. Diese Hormonungleichgewichte können zu verschiedenen Symptomen führen, darunter Zyklusstörungen, Probleme mit der Fruchtbarkeit und ungewollte Kinderlosigkeit. Insulinresistenz ist ebenfalls ein häufiges Merkmal von PCOS, was bedeutet, dass der Körper nicht effektiv auf das Hormon Insulin reagiert. Das führt oft zu erhöhten Insulinspiegeln und steigert das Risiko für Typ-2-Diabetes und Gewichtszunahme. 50 bis 80 % der Betroffenen neigen zu Übergewicht [1].

PCOS Symptome

  • Bei 70 % der Betroffenen finden sich zystenähnliche Bläschen in den Eierstöcken (die namensgebenden polyzystischen Ovarien)
  • Zyklusstörungen wie verlängerte Zyklen, ausbleibende Blutungen und Eisprünge, Zwischenblutungen etc.
  • Bei Schwangerschaft: Neigung zu Fehlgeburten
  • Männliche Behaarung (Hirutismus), besonders an Kinn, Brust oder Bauch
  • Fettige Haut, Hautunreinheiten bis hin zu Akne
  • Haarausfall (Alopezie)
  • Erhöhter Blutdruck
  • Erhöhte Cholesterinwerte

Nicht alle Symptome müssen bei jeder Betroffenen auftreten. Jedoch stellt jedes einzelne Symptom eine psychische Belastung für die Betroffenen dar und kann zu einer drastischen Einschränkung der Lebensqualität führen. [2,3]

Folgen des PCOS

Durch die Insulinresistenz besteht langfristig die Gefahr der Entwicklung eines Typ-2-Diabetes sowie Übergewicht. Aufgrund der erhöhten Blutdruck- und Cholesterinwerte können zudem Herzkreislauf- und Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Arteriosklerose die Folge sein. Daher ist die frühzeitige Erkennung und Behandlung von PCOS so wichtig. [3]

Die Schilddrüse bei PCOS

Das Polyzystisches Ovarsyndrom und Schilddrüsenprobleme können miteinander in Verbindung stehen, da die Hormonstörungen bei PCOS auch Auswirkungen auf andere Hormonsysteme wie z. B. das der Schilddrüse haben können. PCOS-Betroffene sollten daher regelmäßig ihre Schilddrüse überprüfen lassen. [1]

Was hat PCOS mit der Ernährung zu tun?

Die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung der PCOS-Symptome. Mit einer Ernährungsumstellung können sowohl das hormonelle Ungleichgewicht, die Insulinresistenz als auch die Entstehung von Übergewicht sowie Herzkreislauf- und Gefäßerkrankungen positiv beeinflusst werden [1,4].

PCOS und Übergewicht

Bei PCOS kann eine Ernährungsumstellung sowie eine Gewichtsreduktion herausfordernd sein. Die Insulinresistenz kann dazu führen, dass du stetig zunimmst und Schwierigkeiten hast, Gewicht zu verlieren. Bei einer Insulinresistenz reagieren die Körperzellen weniger empfindlich auf Insulin (sie sind resistent geworden), d. h. sie nehmen weniger Glukose aus dem Blut auf. Folge: Der Blutzuckerwert bleibt erhöht und die Bauchspeicheldrüse schüttet vermehrt Insulin aus, um den Blutzucker zu regulieren. Die hohen Blutzucker- und Insulinwerte führen zu einer Vermehrung des Fettgewebes, einer gesteigerten Bildung von Zucker in der Leber sowie einer höheren Ausschüttung von Testosteron. Sie können das Krankheitsbild des PCOS verstärken. [5]

Bauchfett bei PCOS

Lagert sich Fett im Bauchraum an, ist das besonders ungünstig und kann zu einem Teufelskreis werden. Das sogenannte viszerale Fett setzt zahlreiche Botenstoffe frei, die sich unter anderem auf den Blutdruck auswirken, die Insulinresistenz verstärken und Entzündungsprozesse fördern können. Darüber hinaus produziert das viszerale Fettgewebe das Hungerhormon Ghrelin sowie weitere Hormone, die das hormonelle Ungleichgewicht weiter verschärfen können. [6,7]

Abnehmen mit PCOS

Bereits eine Gewichtsabnahme von 5 % kann einen Einfluss auf deinen Hormonhaushalt haben und zu regelmäßigen Zyklen, reguliertem Haarwuchs sowie verbesserter Fruchtbarkeit führen. Somit kann sich dein allgemeiner Gesundheitszustand verbessern und die Chance auf eine Schwangerschaft steigen, falls das dein Wunsch ist. [2]

Warum sollten PCOS-Betroffene auf die Ernährung achten?

Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig in der PCOS-Therapie und kann Betroffenen auf mehreren Ebenen helfen. [1,3]

Positive Effekte einer ausgewogenen Ernährung bei PCOS

  • Normalisierung des Hormonhaushalts
  • Korrektur der Insulinresistenz
  • Reduktion von Bauchfett und somit Hormonproduktion
  • Regulierter Haarwuchs
  • Verbesserte Fruchtbarkeit
  • Möglichkeit auf eine Schwangerschaft steigt
  • Psychische Ausgeglichenheit
  • Vermeidung der Entstehung von Übergewicht/Reduktion von Übergewicht
  • Reduktion des Risikos an Spätfolgen wie Herzkreislauf- und Gefäßerkrankungen zu erkranken

Die richtige Ernährung bei PCOS

Mehrere Studien belegen, dass sich folgende Ernährungsempfehlungen positiv auf die PCOS-Symptome auswirken können [4]:

  1. Achte bei deinen Mahlzeiten auf ein ausgewogenes Verhältnis von Kohlenhydraten, Proteinen und gesunden Fetten.
  2. Fett sollte auf weniger als 30 % der Gesamtkalorien beschränkt werden, wobei der Anteil an gesättigten Fetten gering sein sollte.
  3. Achte auf eine Zufuhr von Ballaststoffen, um den Insulinspiegel zu regulieren.
  4. Nimm regelmäßig ausgewogene Mahlzeiten zu dir und iss bei Bedarf kleine Zwischenmahlzeiten, um den Blutzuckerspiegel konstant zu halten.
  5. Reduziere die Aufnahme von verarbeiteten Lebensmitteln, zuckerhaltigen Snacks und einfachen Kohlenhydraten, da diese zur Insulinresistenz beitragen können und Heißhunger begünstigen.
  6. Achte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mind. 1,5 Liter täglich) in Form von ungesüßtem Tee oder Wasser. Wasser ist wichtig für die allgemeine Gesundheit und kann bei der Gewichtskontrolle helfen.

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Welche Lebensmittel bei PCOS?

Komplexe Kohlenhydrate Entscheide dich so oft wie möglich für komplexe Kohlenhydrate wie Vollkornbrot, Naturreis oder Vollkornnudeln. Vermeide einfache Kohlenhydrate wie Weißbrot, weißen Reis, Weizennudeln sowie Süßigkeiten und Obst mit viel fruchteigener Süße wie Banane, Birne, Kaki (Sharon), Kirschen und Weintrauben. Sie wirken sich ungünstig auf deinen Blutzuckerspiegel aus.

Ballaststoffreiche Lebensmittel Iss viele ballaststoffreiche Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte. Ballaststoffe tragen zur Regulierung des Blutzuckerspiegels bei und unterstützen deine Verdauung.

Eiweißquellen Bevorzuge magere Eiweißquellen wie Geflügel, Fisch, Eier, Quark, Tofu und Hülsenfrüchte. Eiweiß trägt zur Stabilisierung des Blutzuckerspiegels bei und hält dich lange satt.

Gesunde Fette mit viel Omega-3-Fettsäuren Wähle gesunde Fette wie Raps- und Olivenöl, Nüsse und Saaten, denn sie unterstützen das hormonelle Gleichgewicht. Vermeide ungünstige Fette wie in Chips, Frittiertem, Wurstwaren und verarbeitetem Fleisch, Butter, Margarine sowie fettreiche Milch, Milchprodukte und Fast Food. Sie erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Gluten bei PCOS

Eine glutenarme oder -freie Ernährung mindert die bei PCOS stattfindenden Entzündungsreaktionen im Körper. Gluten ist Klebereiweiß und befindet sich hauptsächlich in Getreide wie Dinkel und Weizen. Hafer, Gerste und Roggen haben einen niedrigeren Anteil an Gluten. Es gibt auch komplett glutenfreie Getreide, wie Hirse, Mais, Reis und sogenannte Pseudogetreide, wie Quinoa, Amarant und Buchweizen. [1]

Geeignetes Frühstück bei PCOS

Ein ausgewogenes Frühstück hilft vielen bei einem guten Start in den Tag. Bei PCOS ist es wichtig, dass das Frühstück lange satt hält und die Insulinresistenz nicht weiter verschlimmert.

Verzichte auf Zucker und Weißmehl. Zucker und weißmehlhaltige Lebensmittel wie Weißbrot, Gebäck und Süßigkeiten führen zu einem schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels. Dies kann die Insulinresistenz verstärken und Heißhungerattacken begünstigen.

Reichere dein Frühstück mit Proteinen und Ballaststoffen an. Proteine und Ballaststoffe halten dich lange satt und stabilisieren den Blutzuckerspiegel. Gute Proteinquellen für das Frühstück sind Eier, Joghurt, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen. Ballaststoffreiche Lebensmittel sind Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte.

Beispiele für PCOS-freundliche Frühstücksoptionen

  • Omelett mit Gemüse
  • Joghurt mit Früchten und Nüssen
  • Haferflocken mit Joghurt, Obst, Nüssen und Samen
  • Vollkornbrot mit Avocado und Ei
  • Vollkornmüsli mit Milch oder Pflanzendrink

Tipp: Trinke ausreichend Wasser zum Frühstück, um den Flüssigkeitshaushalt zu regulieren und die Verdauung zu unterstützen.

Auf das Frühstück zu verzichten, kann PCOS-Betroffenen helfen – solange du dadurch nicht später Heißhunger bekommst und diesen mit unausgewogenen Snacks stillst. Bist du nicht der Frühstückstyp, kann der Verzicht auf das Frühstück helfen, eine negative Kalorienbilanz für den Tag zu erzielen und dadurch Gewicht zu verlieren. Ebenso kann Fasten einen positiven Einfluss auf die Insulinresistenz haben.

Brauche ich Nahrungsergänzungsmittel?

Bei PCOS-Betroffenen liegt in der Regel ein Nährstoffmangel (Vitamine und Mineralstoffe) vor. Studien weisen darauf hin, dass bestimmte Vitamine (B-12, Inositole, Folat, Vitamin D, E und K), vitaminähnliche Nährstoffe (Bioflavonoide und α-Liponsäure), Mineralstoffe (Kalzium, Zink, Selen und Chrompicolinat) und andere Präparate (Melatonin, Omega-3-Fettsäuren, Probiotika und Zimt) bei PCOS wirksam sind. [9] Einige von ihnen können die Insulinsensitivität verbessern, den Blutzuckerspiegel regulieren, den Hormonhaushalt und somit den Menstruationszyklus ausbalancieren und andere wirken entzündungshemmend oder unterstützen die Darmgesundheit. [10]

Bevor du zu Nahrungsergänzungsmitteln greifst, lass immer ärztlich abklären, ob bei dir ein Nährstoffmangel vorliegt.

Wer hilft bei der Ernährungsumstellung?

Da der Bedarf an Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten individuell sehr unterschiedlich ist und die Ernährung bei PCOS komplex ist, kann es sinnvoll sein, eine professionelle Ernährungsberatung durchzuführen. Um die Erkrankung zu verstehen sowie erste Therapieschritte wie eine Ernährungsumstellung einzuleiten, sind Selbsthilfegruppen wie die PCOS Deutschland e.V. Selbsthilfegruppe hilfreich.

Falls du durch das Polyzystische Ovarialsyndrom unter psychischen Problemen leidest, ist es wichtig, dass du dir professionelle Unterstützung holst. Es kann hilfreich sein, sich mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe auszutauschen.

Quellen
  1. [1] Patel, S. (2018): Polycystic ovary syndrome (PCOS), an inflammatory, systemic, lifestyle endocrinopathy. In: Journal of Steroid Biochemistry & Molecular Biology. Sep, 182, S. 27-36.
  2. [2] Lehnert, H. (2007) Endokrinologie. In: Deutsche Medizinische Wochenschrift, 132. S. 1420-1423.
  3. [3] PCOS Deutschland e.V.: Informationen zum PCOS. In: (letzter Aufruf: 21.12.2024)
  4. [4] Farshchi, H., Rane, A., Love, A., Kennedy, R.L. (2007): Diet and nutrition in polycystic ovary syndrome (PCOS): pointers for nutritional management. In: Journal of Obstetrics and Gynaecology. Nov. 27(8), S. 762-73.
  5. [5] Petersen, M. C. & Shulman, G. I. (2018): Mechanisms of Insulin Action and Insulin Resistance. In: Physiological Reviews 98/4, S. 2133-2223.
  6. [6] Alexopoulos N, Katritsis D, Raggi P. (2014): Visceral adipose tissue as a source of inflammation and promoter of atherosclerosis. In: Atherosclerosis, 233(1):104-12.
  7. [7] Lee JJ. et al. (2016): Association of Changes in Abdominal Fat Quantity and Quality With Incident Cardiovascular Disease Risk Factors. In: J Am Coll Cardiol, 68(14):1509-21.
  8. [8] Shahid R, Iahtisham-Ul-Haq, Mahnoor, Awan KA, Iqbal MJ, Munir H, Saeed I. Diet and lifestyle modifications for effective management of polycystic ovarian syndrome (PCOS). J Food Biochem. 2022 Jul;46(7):e14117.
  9. [9] Alesi S, Ee C, Moran LJ, Rao V, Mousa A. Nutritional Supplements and Complementary Therapies in Polycystic Ovary Syndrome. Adv Nutr. 2022 Aug 1;13(4):1243-1266.
  10. [10] Calcaterra V et al. (2021): Polycystic Ovary Syndrome in Insulin-Resistant Adolescents with Obesity: The Role of Nutrition Therapy and Food Supplements as a Strategy to Protect Fertility. In: Nutrients, 13(6):1848.

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