Adipositas-Behandlung

Appetitzügler: Hilfe oder Risiko?

Medizinisch geprüft von Dr. med. Johannes von Büren

Zuletzt aktualisiert am

Appetitzügler: Hilfe oder Risiko?

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Was sind Appetitzügler?

Appetitzügler helfen, das Hungergefühl zu reduzieren, um das Abnehmen zu erleichtern. Sie werden auch Anorektika genannt. Es gibt verschiedene Arten von Appetitzüglern. Manche sind pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel, die man ohne Rezept kaufen kann. Andere sind medizinische Appetitzügler, die nur mit einem Rezept erhältlich sind. Beide Arten sollen das Hunger- und Sättigungsgefühl kontrollieren, medizinische Appetitzügler sind stärker und müssen ärztlich verschrieben werden. In jedem Fall sind Appetitzügler eine ergänzende Maßnahme, ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung ist die Basis.

Wie wirken Appetitzügler?

Die Wirkung von medizinischen Appetitzüglern basiert bei den klassischen Arzneistoffen darauf, dass spezielle Botenstoffe im Gehirn freigesetzt werden. Diese beeinflussen das Hunger- und Sättigungsgefühl, sodass du weniger Kalorien aufnimmst und über mehrere Wochen oder Monate hinweg abnimmst. Zu den freigesetzten Neurotransmittern zählen Serotonin sowie Nordadrenalin [1].

Ganz unbedenklich sind solche Stoffe nicht: Im Jahr 2018 ist ein Medikament unter dem Namen Mysimba erschienen, welches jedoch mit hohen Nebenwirkungen in Verbindung steht. Es wird von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) überprüft [2]. Begründet wird dies mit dem Risiko für Beeinträchtigungen des Herz-Kreislauf-Systems.

Sogenannte Inkretinmimetika (GLP-1-Rezeptoragonisten), die als blutzuckersenkende Arzneistoffe bekannt sind [3], kommen heute bevorzugt zum Einsatz. Ihr Wirkmechanismus unterscheidet sich von den bisherigen Appetitzüglern. Deine Magenentleerung schreitet langsamer voran. Auf diese Weise verspürst du ein stärkeres Sättigungsgefühl, was den Appetit eindämmt.

Welche Arten von Appetitzüglern gibt es?

Der Wirkstoff Semaglutid, der in den Medikamenten Wegovy und Ozempic vorkommt, zählt zu den GLP-1-Rezeptoragonisten. Während diese immer häufiger angewendet werden, wird auf die therapeutische Verwendung einiger in die Kritik geratener Medikamente seit Jahren verzichtet. Hierzu zählen allen voran Arzneistoffe wie Fenfluramin, Ephedrin und Aminorex. Zu den Nebenwirkungen, die nach der Anwendung solcher Anorektika aufgetreten sind, zählen unter anderem Lungenhochdruck und Herzklappenerkrankungen. [4]

Hinweis: Neben den rezeptpflichtigen Arzneistoffen und frei verkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln gibt es auch „natürliche Appetitzügler“ im Lebensmittelbereich. Ihr Wirkmechanismus basiert unter anderem auf der Steigerung des Sättigungsgefühls durch Ballaststoffe. Hier kannst du mehr darüber erfahren.

Sind Appetitzügler frei verkäuflich?

Medizinische Appetitzügler bekommst du in der Apotheke gegen ein ärztlich ausgestelltes Rezept. Anorektika sind grundsätzlich immer verschreibungspflichtig und für Personen ab einem BMI ab 30 gedacht. So soll unter anderem eine schwere Fehlbehandlung verhindert werden. Auch bei einer Zweckentfremdung des Mittels oder bei einer Überdosierung drohen gesundheitliche Gefahren. Umso wichtiger ist es, dass die Behandlung von Ärzt:innen begleitet wird. Die Kosten werden von Krankenkassen nicht übernommen.

Hinweis: Im Gegensatz zu medizinischen Appetitzüglern erhältst du die als natürliche Appetithemmer bezeichneten Produkte auch ohne Rezept. Auch hier empfiehlt es sich, eine Behandlung stets mit dem Arzt oder der Ärztin zu besprechen. Werden frei verkäufliche Mittel in hoher Dosis genutzt, sind Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen.

Risiken und Nebenwirkungen von Appetitzüglern

Trotz des vielversprechenden Potenzials haben auch Appetitzügler einige Nebenwirkungen, wie es bei allen Arzneimitteln der Fall ist. Mittel, die ein schlechtes Risiko-Nutzen-Verhältnis haben, werden deshalb immer wieder vom Markt genommen, damit Menschen sich keinem gesundheitlichen Risiko aussetzen. Bei solchen Arzneistoffen, die im Vergleich zu anderen als gut verträglich eingestuft werden, kann es ebenfalls zu unerwünschten Wirkungen kommen. Diese umfassen zum Beispiel:

  • Magen-Darm-Probleme
  • Kopfschmerzen
  • Erschöpfung, Müdigkeit
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Übelkeit
  • Blähungen
  • Schlafprobleme

Nimmt man nach der Einnahme von Appetitzüglern wieder zu?

Nachdem Appetitzügler abgesetzt werden, besteht das Risiko einer Gewichtszunahme. Wenn du dich an das Sättigungsgefühl gewöhnt hast und dein Appetit nach dem Absetzen wieder ansteigt, läufst du wegen des ausbleibenden Effekts Gefahr, mehr Kalorien aufzunehmen. Laut einer Forschungsstudie nahmen Studienteilnehmer:innen, die den Wirkstoff Semaglutid zum Abnehmen bekommen hatten, wieder zu, nachdem sie das Medikament nach 20 Wochen nicht mehr verwendeten [6].

Aus diesem Grund ist bisher nicht klar, ob Menschen mit Adipositas solche Arzneistoffe ihr ganzes Leben nehmen müssen, damit sie langfristig wirken. Eine dauerhafte Behandlung resultiert jedoch in Nebenwirkungen, die für Betroffene sowohl körperlich als auch psychisch belastend sein können. Auch muss weiter untersucht werden, ob die Wirkung nach längerer Einnahme möglicherweise nachlässt. Das Risiko der Gewichtszunahme ist damit ein erheblicher Nachteil, der vor einer Anwendung stets berücksichtigt werden sollte.

Bewegung

Ich nutze zanadio jetzt sechs Monate und habe trotz der Bewegungseinschränkungen 18 kg abgenommen.

Marcel
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Wer sollte Appetitzügler (nicht) einnehmen?

Ob und welche Appetitzügler sinnvoll sind, besprichst du mit deinem Arzt oder deiner Ärztin. Liegt eine sogenannte Kontraindikation vor, also ein Grund, der die Behandlung verbietet, darf kein solches Medikament zum Einsatz kommen. Dies ist zum Beispiel möglich, wenn du Organprobleme hast, die etwa das Herz betreffen. Wenn du unter einer Nierenfunktionsstörung leidest, wird ebenfalls davon abgeraten; gleiches gilt bei schwerer Leberfunktionsstörung. Auch während Schwangerschaft und Stillzeit werden üblicherweise keine Anorektika verschrieben.

Geeignet sind Appetitzügler für Menschen ab einem BMI von 30 kg/m². Unter Umständen kann ein solches Mittel bereits ab einem BMI von 27 kg/m² verschrieben werden. Dies ist der Fall, wenn du – neben dem Übergewicht – auch unter Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes leidest.

Wie kann man ohne medizinische Appetitzügler abnehmen?

Appetitzügler sind für eine gesunde Gewichtsreduktion nicht das erste Mittel der Wahl. Vielmehr können sie zum Einsatz kommen, wenn konservative Therapiemethoden nicht ausreichend helfen. Deshalb ist es zunächst wichtig zu versuchen, Gewicht über eine Ernährungsumstellung und zusätzliche Bewegung zu verlieren. Eine begleitende Verhaltenstherapie ist ein ebenso wichtiger Punkt. Wir haben einige Tipps für dich zusammengestellt, wie du auch ohne medizinische Appetitzügler abnehmen kannst:

1. Ernährungstagebuch führen Häufig sind wir uns unserer Ernährungsmuster nicht bewusst, weshalb der Versuch, die Ernährung umzustellen und abzunehmen, manchmal nicht so richtig gelingt. Probiere es mit einem Ernährungstagebuch. Dokumentiere regelmäßig, wann und was du isst. So gelingt es dir, deine Muster zu erkennen und besser zu verstehen, was bei einer Gewichtsreduktion hilfreich ist.

2. Natürliche Appetitzügler ausprobieren Es gibt zahlreiche Lebensmittel, die als natürliche Appetithemmer dienen: Leinsamen regen deine Verdauung an und enthalten pflanzliche Quellstoffe, die deine Sättigung fördern. Hülsenfrüchte sind nicht nur lecker, sondern wirken positiv auf deinen Blutzuckerspiegel. Das ist hilfreich beim Abnehmen, weil du dich länger satt fühlst.

3. Alltägliches zu Fuß erledigen Du musst keine „Sportskanone“ sein, um Gewicht zu verlieren. Im Gegenteil: Kleine Veränderungen sind leichter umzusetzen und somit gut geeignet, um dein Ziel langfristig zu verfolgen. Anstatt mit dem Auto oder dem Bus zu fahren, gehst du den Weg zum Supermarkt oder zum Restaurant zum Beispiel zu Fuß.

4. Verzicht auf Crash-Diäten So verlockend es klingen mag, schnell Gewicht zu verlieren: Crash-Diäten erzielen keine langfristigen Erfolge. Zudem sind sie oft anstrengend und einseitig, was nicht nur unseren Körper, sondern auch die Psyche belastet. Eine Ernährungsumstellung hingegen bringt oft viel Freude und ist alltagstauglicher.

Vorsicht bei frei verkäuflichen „Wundermitteln“ zum Abnehmen

Die Verbraucherzentrale warnt vor Schlankheitsmitteln, die häufiger in Onlineshops zu finden sind und ohne Rezept bestellt werden können. Bedenklich sei demnach zum Beispiel, dass einige dieser Mittel den verbotenen Arzneistoff Sibutramin enthielten [7]. Diese seien vor allem als Nahrungsergänzungsmittel getarnt.

Sibutramin darf seit 2010 offiziell nicht mehr verkauft werden, da der Stoff als gefährlich eingestuft wird und zu erheblichen gesundheitlichen Schäden führen kann. Falls du ein passendes Abnehmmedikament oder einen Appettizügler suchst, ist es wichtig, dies immer unter ärztlicher Aufsicht zu tun. Kaufe keine als Wundermittel angepriesenen Produkte aus dem Internet ein. Solltest du einen solchen Appetitzügler eingenommen haben und Nebenwirkungen verspüren, suche bitte sofort einen Arzt oder eine Ärztin auf.

Was muss ich bei der Anwendung von Appetitzüglern beachten?

Appetitzügler erfahren eine große mediale Aufmerksamkeit. Dennoch sind sie mit Vorsicht zu genießen: Bitte halte dich während der Behandlung an die Dosierungs- und Sicherheitshinweise. Eine höhere Dosierung als empfohlen kann starke Nebenwirkungen verursachen. Solltest du derartige Nebenwirkungen verspüren, die zudem über mehrere Tage anhalten, ist eine medizinische Untersuchung notwendig.

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