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Schlafapnoe durch Übergewicht: Symptome und Behandlung

Medizinisch geprüft von Dr. med. Johannes von Büren

Zuletzt aktualisiert am

Schlafapnoe durch Übergewicht: Symptome und Behandlung

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Was ist Schlafapnoe?

Schnarchen wird oft als harmlos wahrgenommen. Dabei kann es ein ernstzunehmendes Warnsignal sein. Hinter den nächtlichen Geräuschen steckt bei vielen Menschen eine obstruktive Schlafapnoe (OSA). Dabei kommt es im Schlaf immer wieder zu Atemaussetzern, die bis zu einer Minute oder länger andauern können [1].

Die Ursache ist fast immer eine Verengung der oberen Atemwege. Im Schlaf entspannt sich deine Muskulatur. Bei einer Schlafapnoe erschlafft das Gewebe im Rachen und Gaumen so stark, dass es den Rachenraum teilweise oder vollständig blockiert.

Das Gehirn reagiert auf den Sauerstoffmangel mit einer Weckreaktion: Du wachst kurz auf, spannst unbewusst deine Muskulatur an und atmest wieder ein. Häufig begleitet von einem lauten, ruckartigen Schnarchgeräusch. Dieser Ablauf kann sich jede Nacht Hunderte Male wiederholen, meistens ohne bewusste Erinnerung am nächsten Morgen [2].

Schlafapnoe: Symptome und Warnsignale

Menschen mit Schlafapnoe bemerken die Atemaussetzer oft nicht selbst. Häufig ist es die Partnerin oder der Partner, die auf unregelmäßiges Schnarchen oder nächtliches Luftschnappen aufmerksam machen. Entscheidend ist dabei nicht die Lautstärke, sondern das Aussetzen der Atmung. Manche Personen atmen sehr leise oder wachen mit Herzklopfen plötzlich auf.

Typische Anzeichen für eine Schlafapnoe sind:

  • starke Tagesmüdigkeit trotz ausreichend langer Schlafdauer
  • nicht erholsamer Schlaf
  • Einschlafneigung in monotonen Situationen wie beim Fernsehen oder Autofahren
  • Konzentrationsschwierigkeiten und Vergesslichkeit
  • morgendliche Kopfschmerzen durch den nächtlichen Sauerstoffmangel
  • trockener Mund durch verstärkte Mundatmung
  • nächtlicher Harndrang durch hormonelle Reaktionen auf die Atemaussetzer Info: Atemaussetzer aktivieren Stressmechanismen im Körper. Dabei wird das Hormon ANP (atriales natriuretisches Peptid) ausgeschüttet, das die Urinbildung fördert.

Diese Symptome können auch bei anderen Schlafstörungen auftreten. Sie geben aber wichtige Hinweise darauf, dass eine Abklärung sinnvoll ist.

Zusammenhang von Schlafapnoe und Übergewicht

Viele Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe sind gleichzeitig von Übergewicht oder Adipositas betroffen. Fachlich gilt ein erhöhter Körperfettanteil als der größte Risikofaktor für diese Form der Atemstörung. Fettgewebe lagert sich nicht nur an Bauch und Hüften ab, sondern auch im Bereich von Hals und Nacken. Dort kann es von außen Druck auf die Atemwege ausüben und den Rachenraum verengen. Zusätzlich sammelt sich Fettgewebe häufig am Zungengrund, was den Luftstrom weiter behindert [6].

Im Schlaf lässt die Muskelspannung im Körper nach. Das begünstigt den Kollaps der ohnehin eingeengten Atemwege. Auch Bauchfett kann das Atmen erschweren, weil es im Liegen gegen das Zwerchfell drückt und so die Lungenfunktion beeinträchtigt [2].

Übergewicht begünstigt Schlafapnoe und umgekehrt

Zwischen Schlafapnoe und Gewicht besteht ein wechselseitiger Zusammenhang. Wer schlecht schläft, nimmt leichter zu. Durch die nächtlichen Weckreaktionen gerät der Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht. Der Körper produziert mehr vom appetitanregenden Hormon Ghrelin, während das Sättigungshormon Leptin abnimmt. Dadurch entsteht häufig Heißhunger, besonders auf kohlenhydratreiche Lebensmittel.

Gleichzeitig fehlt durch die ständige Müdigkeit oft die Energie für Bewegung. Das kann eine Gewichtszunahme begünstigen. Mit zunehmendem Körpergewicht nehmen auch Häufigkeit und Schwere der Atemaussetzer zu. So entsteht ein Kreislauf, der Schlafqualität und Stoffwechsel dauerhaft beeinträchtigen kann [3].

Schlafapnoe kann gesundheitliche Auswirkungen haben

Wird eine Schlafapnoe nicht behandelt, kann sie langfristig schwere gesundheitliche Folgen haben. Die wiederholten Atemaussetzer führen dazu, dass dein Gehirn regelmäßig mit Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol überflutet wird. Das belastet den Kreislauf und erhöht unter anderem das Risiko für Bluthochdruck

Durch den Sauerstoffmangel in der Nacht steigt der Druck in den Lungengefäßen. Das kann zu einer sogenannten pulmonalen Hypertonie führen. Diese Kombination erhöht die Belastung für das Herz und steigert das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzschwäche deutlich.

Schlafapnoe kann auch den Zuckerstoffwechsel beeinträchtigen. Schlafmangel und Sauerstoffunterversorgung stören den Hormonhaushalt und verringern die Insulinempfindlichkeit der Zellen. Das kann dazu führen, dass der Blutzuckerspiegel ansteigt und sich das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöht [2].

Wenn die Atmung auch tagsüber eingeschränkt ist

Bei ausgeprägter Adipositas kann zusätzlich zur obstruktiven Schlafapnoe eine weitere Atemstörung auftreten: das Obesitas-Hypoventilations-Syndrom (OHS), auch Pickwick-Syndrom genannt.

Dabei ist die Atmung nicht nur nachts, sondern auch tagsüber eingeschränkt. Die verminderte Atmung führt zu einem erhöhten Kohlendioxidgehalt im Blut. Dies belastet den Kreislauf und kann zu Müdigkeit, Konzentrationsproblemen und Kurzatmigkeit führen. Das OHS tritt häufig gemeinsam mit einer Schlafapnoe auf, erfordert aber eine eigene Diagnostik und Therapie. Eine medizinische Abklärung ist in jedem Fall sinnvoll, um die passende Behandlung einzuleiten.

Wenn der Schlaf auch die Stimmung beeinflusst

Schlafapnoe wirkt sich nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die geistige Leistungsfähigkeit und das seelische Wohlbefinden aus. Die nächtlichen Weckreaktionen stören den Schlafrhythmus und verkürzen die Tiefschlafphasen, die für körperliche und geistige Erholung besonders wichtig sind.

In der Folge treten häufig Konzentrationsprobleme, Gedächtnisschwäche und eine erhöhte Unfallgefahr im Alltag auf. Studien zeigen zudem, dass Sauerstoffmangel und dauerhaft erhöhte Stresshormone den Stoffwechsel im Gehirn beeinflussen. Davon betroffen sind unter anderem die Botenstoffe Serotonin, Dopamin und Noradrenalin. Sie steuern Stimmung, Antrieb und Aufmerksamkeit. Dadurch kann das Risiko für depressive Verstimmungen, Gereiztheit und Angstzustände steigen [4].

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Behandlungsmöglichkeiten bei Schlafapnoe

Treten Symptome wie Atemaussetzer beim Schnarchen oder starke Tagesmüdigkeit auf, solltest du das ärztlich abklären lassen. Der erste Weg führt meist in die Hausarztpraxis, von dort aus erfolgt bei Verdacht eine Überweisung zu Lungenfachärzt:innen (Pneumologie) oder HNO-Ärzt:innen. Die Diagnose erfolgt meist in zwei Schritten:

Polygrafie (ambulante Untersuchung)

Du erhältst ein kleines Messgerät für eine Nacht zu Hause. Es erfasst unter anderem Atembewegungen, Sauerstoffsättigung im Blut, Herzfrequenz und Schnarchgeräusche. In vielen Fällen reicht diese Untersuchung bereits aus, um eine Schlafapnoe zu erkennen.

Polysomnografie (Schlaflabor)

Bei unklaren Ergebnissen oder zur genauen Therapieplanung erfolgt eine Untersuchung im Schlaflabor. Dort werden zusätzlich Hirnströme (EEG), Augenbewegungen und Muskelspannung aufgezeichnet. So können Ärzt:innen die verschiedenen Schlafphasen bewerten und erkennen, wie stark Atmung und Schlafqualität gestört sind [4].

Weitere Behandlungsoptionen bei Schlafapnoe

Bei leichter Ausprägung der Schlafapnoe oder Unverträglichkeit der Maske können andere Methoden helfen.

  • Unterkieferprotrusionsschiene (UKPS):Diese Schiene wird individuell zahnärztlich angepasst. Sie verschiebt den Unterkiefer leicht nach vorne und hält so den Rachenraum offen. Sie kommt vor allem bei leichter bis mittelschwerer Schlafapnoe zum Einsatz.
  • Chirurgische Eingriffe: In bestimmten Fällen kann eine Operation sinnvoll sein. Dabei wird überschüssiges Gewebe im Rachenbereich gestrafft oder entfernt. Solche Eingriffe werden nur in ausgewählten Fällen empfohlen [5].

Alltagstipps zur Unterstützung der Behandlung

Zusätzlich zur ärztlichen Behandlung kannst du selbst Maßnahmen ergreifen, um die Schlafqualität zu verbessern und Atemaussetzer zu verringern:

  • Seitenschlaf fördern:Bei vielen Menschen treten die Atemaussetzer vor allem in Rückenlage auf. Lagerungshilfen oder spezielle Kissen können helfen, die Seitenlage beizubehalten und so die Atemwege freizuhalten.
  • Alkohol meiden:Alkohol entspannt die Muskulatur im Rachen. Dadurch erhöht sich das Risiko, dass sich die Atemwege im Schlaf verengen.
  • Schlaf- und Beruhigungsmittel nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden:Einige dieser Medikamente können die Atemmuskulatur zusätzlich entspannen und die Atmung beeinträchtigen.
  • Kritisch hinterfragen: Nasenpflaster, Rachensprays oder spezielle Öle werden häufig beworben. Ein medizinisch belegter Nutzen bei Schlafapnoe liegt bisher nicht vor [5].

Fazit: Nimm deine Müdigkeit ernst

Schlafapnoe ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die Herz, Kreislauf und Psyche belastet. Doch mit der richtigen Diagnose und Therapie kannst du deine Lebensqualität steigern und Risiken begegnen. Auch eine Gewichtsreduktion kann eine deutliche Linderung bringen. Nimm die Warnsignale deines Körpers ernst und lass dich untersuchen. Tu es für dich, deine (Herz-)Gesundheit und für einen erholsamen Schlaf.

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