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Hilft Apfelessig beim Abnehmen?

Medizinisch geprüft von Dr. med. Johannes von Büren

Zuletzt aktualisiert am

Hilft Apfelessig beim Abnehmen?

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Was ist Apfelessig?

Apfelessig entsteht durch einen mehrstufigen natürlichen Fermentationsprozess aus Apfelsaft. Zunächst wandeln Hefen den im Saft enthaltenen Zucker in Alkohol um – es entsteht Apfelwein. In einem zweiten Schritt wird der Alkohol durch Essigsäurebakterien in Essigsäure umgewandelt, wodurch der charakteristische Apfelessig entsteht.

Die Herstellung von Apfelessig kann traditionell oder industriell erfolgen. Bei der traditionellen Herstellung wird Apfelsaft langsam zu Apfelwein vergoren, bevor Essigsäurebakterien den Alkohol über mehrere Wochen in Essig umwandeln. Dadurch bleiben viele natürliche Inhaltsstoffe erhalten.

Die Grundlage für die Alkoholherstellung ist immer Zucker, der von Hefen in Alkohol umgewandelt wird. Da Obst reichlich natürlichen Zucker enthält, ist es theoretisch möglich, aus fast jeder Obstsorte Essig herzustellen – von Äpfeln über Birnen bis hin zu Beeren.

Ein großer Vorteil: Mit etwas Geduld und den richtigen Bedingungen lässt sich Apfelessig auch zu Hause herstellen.

Wie kann Apfelessig das Abnehmen unterstützen?

Apfelessig wird seit Langem als Hausmittel für verschiedene gesundheitliche Zwecke verwendet. Die wissenschaftliche Evidenz für viele der behaupteten Vorteile ist jedoch begrenzt.

Wirkung auf den Stoffwechsel

Apfelessig enthält Essigsäure, die verschiedene Stoffwechselprozesse beeinflussen kann. Ein zentraler Mechanismus ist die Verbesserung der Insulinsensitivität. Essigsäure kann die Aktivität von Enzymen wie der AMP-aktivierten Proteinkinase (AMPK) steigern, die eine Rolle bei der Energieverwertung und Fettverbrennung spielt. Zudem fördert Essigsäure die Sekretion der Darmhormone GLP-1 und PYY, die den Appetit reduzieren. [2]

Obwohl diese Effekte vielversprechend erscheinen, sind sie bisher hauptsächlich in Labor- und Tierstudien beobachtet worden. Für Menschen fehlen umfassende Studien, die die Auswirkungen von Apfelessig auf den Stoffwechsel klar bestätigen. Daher sollte Apfelessig als unterstützende Maßnahme gesehen werden, nicht als Ersatz für eine gesunde Ernährung und Bewegung.

Apfelessig und Gewichtsabnahme

  1. Die 2024 an der Holy Spirit University of Kaslik veröffentlichte Studie untersuchte 120 übergewichtige Teilnehmende im Alter von 12 bis 25 Jahren [2]. Über drei Monate nahmen sie täglich unterschiedliche Mengen Apfelessig oder ein Placebo ein. Die Ergebnisse zeigten: Teilnehmer:innen mit der höchsten Apfelessig-Dosis hatten den größten Gewichtsverlust und die positivsten Blutwerte. Wissenschaftler:innen kritisieren jedoch die geringe Teilnehmerzahl, das junge Alter der Proband:innen und die kurze Studiendauer von drei Monaten, die keine Aussagen zu Langzeitwirkungen erlauben [2].
  2. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass der Konsum von Essig das Sättigungsgefühl erhöhen und somit die Kalorienaufnahme reduzieren kann. Eine Studie aus Japan ergab, dass Teilnehmer, die täglich Essig konsumierten, über 12 Wochen hinweg eine leichte Reduktion ihres Körpergewichts verzeichneten (durchschnittlich 1,2–1,7 kg) [3]. Die Kontrollgruppe ohne Essigeinnahme zeigte jedoch ähnliche Ergebnisse.

Blutzuckerspiegel und Insulinsensitivität

Einige Studien deuten darauf hin, dass Essigsäure, der Hauptbestandteil von Apfelessig, den postprandialen Blutzuckerspiegel (der Blutzucker nach dem Essen) senken und die Insulinsensitivität verbessern kann. Eine randomisierte kontrollierte Studie zeigte beispielsweise, dass Essig den Blutzuckerspiegel nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten um bis zu 34 % reduzieren kann [1].

Cholesterinspiegel

Einige Untersuchungen legen nahe, dass Essig den Cholesterinspiegel positiv beeinflussen kann. In einer Tierstudie führte Essigsäure zu einer Senkung des Gesamtcholesterinspiegels und der Triglyceridwerte [4]. Allerdings sind Studien am Menschen begrenzt und die Ergebnisse nicht eindeutig.

Antimikrobielle Eigenschaften

Essigsäure besitzt nachweislich antimikrobielle Eigenschaften, die das Wachstum bestimmter Bakterien hemmen können [5]. Diese Effekte wurden vor allem in Laborstudien beobachtet; die klinische Relevanz beim Menschen ist jedoch unklar.

Verdauung und Darmgesundheit

Es wird angenommen, dass Apfelessig die Verdauung fördert, indem er die Produktion von Magensäure anregt. Wissenschaftliche Belege für diese Annahme sind jedoch begrenzt, und es fehlen qualitativ hochwertige Studien, die diese Effekte bestätigen [6].

Sicherheit und Nebenwirkungen

Unverdünnter Apfelessig kann den Zahnschmelz angreifen und den Magen reizen. Personen mit empfindlichem Magen, Sodbrennen oder anderen Magen-Darm-Erkrankungen sollten auf den Verzehr verzichten oder vorher ärztliche Rücksprache halten. Auch bei der Einnahme von Medikamenten ist Vorsicht geboten.
Person hält ein großes Einmachglas mit Apfelstücken in Essigansatz

Anleitung: Essig selbst herstellen

Essig lässt sich einfach zu Hause herstellen – mit einem fertigen Wein als Basis gelingt es besonders schnell. Hier ist eine kompakte Anleitung:

Zutaten und Utensilien:

  • 1 Liter Wein (z. B. Apfelwein, Rotwein oder Weißwein, möglichst ohne Zusätze wie Schwefel)
  • 50–100 ml naturtrüber, unpasteurisierter Apfelessig oder eine Essigmutter (erhältlich in Bio-Läden/ Internet)
  • Ein großes, steriles Glasgefäß (z. B. ein Weckglas)
  • Ein sauberes Tuch
  • Gummiband

So geht’s:

  1. Essigansatz vorbereiten:Gieße den Wein in das Glasgefäß und füge den Apfelessig oder die Essigmutter hinzu. Der Apfelessig und Essigmutter enthalten die notwendigen Essigsäurebakterien, um den Alkohol im Wein in Essigsäure umzuwandeln.
  2. Abdecken und reifen lassen:Decke das Glasgefäß mit dem Tuch ab und fixiere es mit einem Gummiband, damit keine Verunreinigungen hineingelangen. Ein Tuch deshalb, weil die Essigbakterien Sauerstoff benötigen. Stelle das Gefäß an einen warmen, dunklen Ort und lass den Ansatz für 4–6 Wochen reifen.
  3. Essig prüfen:Nach etwa 4 Wochen kannst du probieren, ob der Essig die gewünschte Säure erreicht hat. Falls nicht, lass ihn noch ein paar Wochen weiter reifen.
  4. Filtern und abfüllen:Sobald der Essig fertig ist, filtere ihn durch ein feines Sieb oder Passiertuch und fülle ihn in saubere Glasflaschen. Lagere die Flaschen an einem kühlen, dunklen Ort.

Tipps:

  • Mit Rotwein entsteht ein kräftiger Essig, während Weißwein oder Apfelwein mildere Varianten liefern.
  • Für besondere Aromen kannst du Kräuter, Früchte oder Gewürze in den fertigen Essig einlegen.

Ist Apfelessig trinkbar?

Ja, Apfelessig kann getrunken werden – jedoch nicht pur, sondern stets verdünnt. Unverdünnter Apfelessig schädigt bei regelmäßiger Einnahme den Zahnschmelz und kann den Magen reizen.

Für den täglichen Gebrauch empfiehlt sich eine Dosierung von 1–2 Esslöffeln Apfelessig (15–30 ml), verdünnt in einem großen Glas Wasser. Der Essig sollte idealerweise vor oder während einer Mahlzeit eingenommen werden, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Alternativ gibt es Apfelessig auch in Kapsel- oder Pulverform. Diese Produkte können für manche Menschen praktischer sein, doch ein klarer gesundheitlicher Nutzen ist bisher nicht wissenschaftlich belegt [1].

Eine Flasche Bio-Apfelessig ist in der Regel kostengünstiger und kann individuell nach Geschmack verdünnt werden. Neben der Einnahme wird Apfelessig auch gerne in der Küche verwendet: Er verfeinert Salate, Suppen und andere Gerichte durch seine milde Säure.

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Ist Apfelessig gesund?

Apfelessig ist ein Naturprodukt, das Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente enthält. Neben Essigsäure enthält Apfelessig Kalium, Magnesium, Kalzium sowie sekundäre Pflanzenstoffe wie Polyphenole und Flavonoide. Diese Stoffe werden mit antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften in Verbindung gebracht.

Die Mengen dieser Nährstoffe im Apfelessig sind sehr gering. Zum Vergleich: Ein frischer Apfel liefert deutlich mehr Vitamine und Mineralstoffe als zwei Esslöffel Apfelessig. Die gesundheitlichen Vorteile von Apfelessig beruhen daher weniger auf seinem Nährstoffgehalt, sondern auf anderen möglichen Wirkungen, wie einer unterstützenden Wirkung auf die Verdauung oder einem potenziellen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel – diese Effekte sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.

Fazit: Hilft Apfelessig beim Abnehmen?

Apfelessig ist ein vielseitiges Naturprodukt, das nicht nur als Hausmittel, sondern auch in der Küche glänzt. Seine kulinarischen Vorteile machen ihn zu einer beliebten Zutat, um Salate, Suppen oder Marinaden mit einer feinen Säure abzurunden.

Was die Wirkung auf das Abnehmen betrifft, deuten einige Studien darauf hin, dass Apfelessig den Blutzuckerspiegel regulieren und das Sättigungsgefühl fördern kann. Allerdings sind die wissenschaftlichen Belege begrenzt, und die beobachteten Effekte sind eher gering.

Apfelessig kann in Maßen eine sinnvolle Ergänzung zur Ernährung sein, sollte jedoch nicht als Wundermittel zum Abnehmen betrachtet werden. Kombiniert mit einer ausgewogenen Ernährung und einem aktiven Lebensstil kann er sowohl in der Küche als auch als unterstützendes Hausmittel seinen Platz finden.

Quellen
  1. [1] Johnston, C. S., et al. (2004). „Vinegar improves insulin sensitivity to a high-carbohydrate meal in subjects with insulin resistance or type 2 diabetes.“ Diabetes Care.
  2. [2] Abu-Khalil, Rony et al: Apple cider vinegar for weight management in Lebanese adolescents and young adults with overweight and obesity: a randomised, double-blind, placebo-controlled study, 03/2024
  3. [3] Kondo, T., et al. (2009). „Vinegar intake reduces body weight, body fat mass, and serum triglyceride levels in obese Japanese subjects.“ Bioscience, Biotechnology, and Biochemistry, 73(8), 1837-1843.
  4. [4] Fushimi, T., et al. (2006). „Acetic acid feeding enhances glycogen repletion in liver and skeletal muscle of rats.“ The Journal of Nutrition, 136(11), 3022-3026
  5. [5] Cherrington, C. A., et al. (1991). „Organic acids: Chemistry, antibacterial activity and practical applications.“ Advances in Microbial Physiology, 32, 87-108.
  6. [6] AOK. (2023). „Wie gesund ist Apfelessig?“ AOK Magazin. Abgerufen am [11.12.24], von

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