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Scheinfasten – Fasten ohne zu fasten?

Medizinisch geprüft von Dr. med. Johannes von Büren

Zuletzt aktualisiert am

Scheinfasten – Fasten ohne zu fasten?

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Was ist Scheinfasten?

Scheinfasten – auch Fasting Mimicking Diet (FMD) genannt – ist eine Form des periodischen Fastens. Dabei nimmst du über fünf Tage hinweg stark reduzierte Mengen an Kalorien und gezielt ausgewählte Nährstoffe zu dir. Trotz drei Mahlzeiten pro Tag gerät dein Körper durch den kontrollierten Energiemangel in einen Fastenzustand. Dieser kann ähnliche Prozesse auslösen wie beim klassischen Fasten – etwa Veränderungen im Stoffwechsel und Zellreinigungsvorgänge [1,2]

Wie ist Scheinfasten entstanden?

Die Fasting Mimicking Diet wurde von dem Langlebigkeitsforscher Professor Dr. Valter Longo und seinem Team an der University of Southern California entwickelt. Ziel war es, die positiven Effekte des Fastens mit geringerem Aufwand und besserer Alltagstauglichkeit zu ermöglichen. Erste wissenschaftliche Ergebnisse dazu wurden 2015 veröffentlicht. [3]

Wie funktioniert Scheinfasten?

Beim fünftägigen Scheinfasten nimmst du am ersten Tag etwa 750 Kilokalorien zu dir, an den folgenden vier Tagen rund 650 Kilokalorien täglich. Am sechsten Tag – dem sogenannten Aufbautag – steigst du mit leichten, gut verträglichen Mahlzeiten und maximal 1.500 Kilokalorien wieder ein [4].

Während des Programms isst du in der Regel drei kleine Mahlzeiten am Tag. Geeignete Speisen sind zum Beispiel Haferflocken mit Beeren, Gemüsepfannen, Suppen oder Salate.

Erlaubt sind:

  • ungesüßte Getränke wie Wasser, Kräuter- und Früchtetee sowie Kaffee oder Schwarztee in Maßen
  • stärkearmes, ballaststoffreiches Gemüse (z. B. Brokkoli, Zucchini, Blumenkohl, Tomaten, Blattgemüse)
  • zuckerarmes, leicht verdauliches Obst (z. B. Beeren, Äpfel, Birnen, Grapefruit)
  • kleine Mengen an Vollkornprodukten (z. B. Haferflocken, Vollkornbrot)
  • vegane Milchalternativen
  • Nüsse
  • hochwertige pflanzliche Öle
  • Gewürze

Nicht erlaubt sind:

  • Zucker und süße Getränke
  • fruchtzuckerreiche Obstsorten (z. B. Weintrauben, Feigen, Ananas, Mango)
  • einfache Kohlenhydrate (z. B. Weißbrot, Pasta, Reis, Kartoffeln)
  • tierische Produkte (z. B. Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte)
  • Alkohol

Vorteile des Scheinfastens

Scheinfasten bringt laut aktuellen Studien und den Erfahrungen von Fastenexperte Prof. Dr. Andreas Michalsen verschiedene potenzielle Vorteile mit sich. Einige dieser Effekte sind gut belegt, andere beruhen auf Expertenschätzungen und praktischer Erfahrung [2,3,4,5]:

  • Etwa 80 bis 90 Prozent der positiven Wirkungen des klassischen Heilfastens werden erreicht. Hinweis: Diese Schätzung basiert auf Experteneinschätzungen, nicht auf direkten Vergleichsstudien.
  • Durch die tägliche Kalorienzufuhr lässt sich Scheinfasten besser in den Alltag integrieren.
  • Auch bei bestimmten chronischen Erkrankungen kann Scheinfasten unter ärztlicher Aufsicht sinnvoll sein Hinweis: Positive Wirkungen bei z. B. Diabetes, Multipler Sklerose und Krebserkrankungen wurden in klinischen Studien beobachtet.
  • Kleine Mengen an Eiweiß und Fett helfen, Muskelabbau zu begrenzen Hinweis: Moderate Eiweißzufuhr schützt laut Studien den Muskelstatus im Vergleich zu Nullfasten.
  • Scheinfasten lässt sich mehrmals jährlich wiederholen, ohne negative Effekte. Hinweis: Studien zeigen gute Verträglichkeit bei zyklischer Anwendung
  • Es kann helfen, deinen Körper zu trainieren, zwischen Zucker- und Fettverbrennung umzuschalten Hinweis: Studien belegen bessere Glukosewerte und Ketonkörperbildung – Hinweis auf metabolische Flexibilität.
  • Studien zeigen, dass du mit dem Scheinfasten moderat und dauerhaft abnehmen kannst. Allerdings gibt es bisher keine Langzeitstudien, die genau untersucht haben, wie stark der Jojo-Effekt im Vergleich zu anderen Fasten- oder Diätformen wirklich ausfällt.

Wie oft kann man Scheinfasten?

Laut Fastenexperte Prof. Dr. Andreas Michalsen kann das Scheinfasten mehrfach im Jahr durchgeführt werden – zum Beispiel drei- bis viermal jährlich, um positive Effekte langfristig aufrechtzuerhalten. Für Menschen mit chronischen Erkrankungen kann unter ärztlicher Begleitung auch eine monatliche Anwendung in Frage kommen. Wichtig ist dabei: Die Anwendung sollte individuell angepasst und mit medizinischem Fachpersonal abgestimmt werden. [2,5]

Wirkung auf den Körper

Wenn du über mehrere Tage hinweg nur sehr wenig Energie und kaum Kohlenhydrate aufnimmst, stellt dein Körper nach etwa zwei bis drei Tagen den Stoffwechsel um. Die Kohlenhydratspeicher sind dann weitgehend aufgebraucht, und der Körper greift vermehrt auf Fettreserven zurück. Dabei entstehen sogenannte Ketonkörper, die als alternative Energiequelle dienen [4,5,6]:

  • Erhöhung des Fettstoffwechsels und verbesserte Insulinempfindlichkeit, was sich positiv auf die Blutzuckerwerte auswirken kann
  • Reduktion von Entzündungsprozessen
  • Stärkung des Immunsystems
  • Senkung des Blutdrucks
  • Positive Effekte auf Darmgesundheit
  • Reduktion von Bauchfett und Körpergewicht
  • Positive Effekte auf den Alterungsprozess
  • Verbesserung der Gedächtnisleistung (wie auch beim Intervallfasten beobachtet)
  • Aktivierung von Autophagie, einem körpereigenen Reinigungs- und Reparaturprozess

Motivation

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Scheinfasten während einer Erkrankung

Scheinfasten gilt als vergleichsweise schonende Form des Fastens, da dem Körper täglich geringe Mengen an Kalorien und Nährstoffen zugeführt werden. Studien zeigen, dass diese Methode in bestimmten Fällen auch bei Erkrankungen eingesetzt werden kann – unter ärztlicher Aufsicht! [1,2,8,9]

Wissenschaftlich untersucht wurden unter anderem folgende mögliche Anwendungsbereiche:

  • Fettleber
  • Typ-2-Diabetes
  • Bluthochdruck Hinweis: Erste Studien zeigen Senkung um 2–4 mm Hg – vielversprechend, aber noch kein ausreichend untersuchter Effekt in großen Langzeitstudien
  • Multiple Sklerose Hinweis: bisher vor allem Tierstudien und kleine Beobachtungsstudien – noch keine großen Studien an Menschen
  • Rheumatoide Arthritis
  • Alzheimer-Erkrankung erste experimentelle Hinweise – klinisch noch nicht etabliert
  • Reduktion des Schlaganfallrisikos

Scheinfasten und Adipositas

Adipositas geht oft mit einem erhöhten Risiko für Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes oder Fettleber einher. Fasten kann laut Studien dazu beitragen, diese Risiken zu verringern – auch durch Effekte auf den Blutzucker, die Fettverbrennung und entzündliche Prozesse [8,9,10,11].

Scheinfasten bietet dabei besondere Vorteile für Menschen mit Adipositas:

  • Es ist milder als andere Fastenformen – der Körper wird weniger stark belastet
  • Es kann mehrmals im Jahr wiederholt werden, ohne die Belastbarkeit zu überschreiten
  • Der oft befürchtete Jojo-Effekt fällt laut ersten Studien vermutlich geringer aus Hinweis: noch nicht durch Langzeitstudien belegt

Für wen ist Scheinfasten geeignet?

Scheinfasten kann grundsätzlich von vielen Menschen durchgeführt werden. Besonders bei chronischen Erkrankungen wie Adipositas, Typ-1-Diabetes oder Autoimmunerkrankungen ist jedoch eine Rücksprache mit behandelnden Ärzt:innen unbedingt erforderlich – auch um Wechselwirkungen mit Medikamenten oder Begleittherapien auszuschließen [4].

Für gesunde Erwachsene kann Scheinfasten nach aktuellem Wissensstand eine praktikable Methode sein, um Stoffwechselprozesse positiv zu beeinflussen und das Essverhalten langfristig zu verändern.

Für wen ist Scheinfasten nicht geeignet?

Vom Scheinfasten wird abgeraten, wenn du zu den folgenden Personengruppen gehörst:

  • Schwangere und Stillende
  • Menschen mit Essstörungen
  • Personen, die durch eine Erkrankung schnell an Gewicht verlieren oder untergewichtig sind

In diesen Fällen kann selbst eine kurzfristige Kalorienreduktion gesundheitliche Risiken bergen. Auch hier gilt: Eine ärztliche Beratung ist entscheidend.

Nebenwirkungen von Scheinfasten

Wie bei vielen anderen Diäten und Fastenformen können auch beim Scheinfasten die typischen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Hunger, Frieren oder Energielosigkeit auftreten.

Scheinfasten ist jedoch keine „Diät“ im klassischen Sinne einer kurzfristigen Abnehmkur. Zwar kann dabei auch Körperfett reduziert werden, im Vordergrund stehen jedoch die gesundheitlichen Effekte – wie sie im Abschnitt „Wirkung auf den Körper“ beschrieben sind.

Scheinfasten wird im Allgemeinen gut vertragen – vor allem, weil du weiterhin kleine Mengen an Nahrung zu dir nimmst. Trotzdem können während der Fastentage vorübergehende Nebenwirkungen auftreten, besonders bei der ersten Durchführung:

  • Kopfschmerzen
  • Hunger- oder Schwächegefühl
  • Frieren oder Konzentrationsprobleme
  • leichte Reizbarkeit oder Müdigkeit

Diese Symptome sind in der Regel harmlos und klingen nach wenigen Tagen wieder ab, sobald sich dein Körper an den veränderten Stoffwechsel gewöhnt hat.

Beispiel für einen Tag Scheinfasten

Frühstück: Sojajoghurt mit Beeren Mittagessen (kalt): Fenchel-Gurken-Salat mit Walnüssen & Zitronen-Tahini-Dressing

oder

Mittagessen (warm): Gemüse-Brokkoli-Suppe Abendessen: Spinatsalat mit Avocado

Wer darf Scheinfasten anbieten?

Scheinfasten ist kein geschützter Begriff – theoretisch kann also jede Person entsprechende Kurse oder Programme anbieten. Umso wichtiger ist es, genau hinzuschauen:

  1. Achte darauf, dass Anbieter:innen nachweislich Erfahrung und Fachwissen in den Bereichen Ernährung, Fastenmedizin und chronische Erkrankungen mitbringen.
  2. Bei Unsicherheiten oder Vorerkrankungen solltest du dich immer ärztlich beraten lassen – idealerweise von Fachpersonen mit Zusatzausbildung in Ernährung oder Naturheilkunde.

Wenn du eine Scheinfasten-Kur in einer Praxis oder Klinik planst, frage gezielt nach Qualifikationen und Begleitung während des Fastenzeitraums. Nur so ist eine sichere und individuell angepasste Anwendung gewährleistet.

Fazit

Scheinfasten ist ein strukturierter Ansatz, um Fasteneffekte zu erzielen, ohne vollständig auf Nahrung zu verzichten. Studien weisen auf positive Wirkungen auf den Stoffwechsel, Entzündungsprozesse, zelluläre Regeneration und bestimmte Herz-Kreislauf-Risikofaktoren hin. Die Methode kann alltagstauglich umgesetzt werden und eignet sich – nach ärztlicher Rücksprache – auch für Personen mit chronischen Erkrankungen. Aufgrund der moderaten Kalorienzufuhr ist sie körperlich weniger belastend als andere Fastenformen.

Gleichzeitig ist es wichtig, auf eine individuelle und fachlich begleitete Umsetzung zu achten. Für bestimmte Personengruppen ist Scheinfasten nicht geeignet, und die Langzeitwirkungen sind noch nicht abschließend erforscht.

Scheinfasten kann ein hilfreiches Instrument sein – nicht als Ersatz für eine ärztliche Behandlung, sondern als ergänzender Impuls für Stoffwechsel, Zellgesundheit und Lebensstilveränderung.

Quellen
  1. [1] Ruohua Wang, Xinyi Lv, Wenyu Xu, Xiaoqing Li, Xuanfeng Tang, He Huang, Mengxia Yang, Shuran Ma, Nan Wang, Yucun Niu, (2025). Effects of the periodic fasting-mimicking diet on health, lifespan, and multiple diseases: a narrative review and clinical implications. Nutrition Reviews, 83(2), e412–e426.
  2. [2] Rieber, D. (2025). Scheinfasten – essen und doch fasten. In: Thieme. Natürlich Medizin. (letzter Aufruf: 20.06.2025)
  3. [3] Brandhorst, S., Choi, I. Y., Wei, M., Cheng, C. W., Sedrakyan, S., Navarrete, G., Dubeau, L., Yap, L. P., Park, R., Vinciguerra, M., Di Biase, S., Mirzaei, H., Mirisola, M. G., Childress, P., Ji, L., Groshen, S., Penna, F., Odetti, P., Perin, L., Conti, P. S., Ikeno, Y., Kennedy, B. K., Cohen, P., Morgan, T. E., Dorff, T. B., Longo, V. D. (2015). A periodic diet that mimics fasting promotes multi-system regeneration, enhanced cognitive performance, and healthspan. Cell Metabolism, 22(1), 86…
  4. [4] Fassnacht-Lee, K. (2025). So effektiv ist Scheinfasten. In: Pharmazeutische Zeitung. (letzter Aufruf: 17.06.2025)
  5. [5] Michalsen, A. (2025). Scheinfasten – mein Masterplan. München: ZS-Verlag.
  6. [6] Brandhorst, S., Levine, M. E., Wei, M., Shelehchi, M., Morgan, T. E., Nayak, K. S., Dorff, T., Hong, K., Crimmins, E. M., Cohen, P., Longo, V. D. (2024). Fasting-mimicking diet causes hepatic and blood marker changes indicating reduced biological age and disease risk. Nature Communications, 15(1), 1309.
  7. [7] Lenzen-Schulte, M., & Zylka-Menhorn, V. (2016). Autophagie: „Selbstverstümmelung“ als Überlebensstrategie. Deutsches Ärzteblatt, 113(40), A-1740 / B-1469 / C-1461.
  8. [8] Choi, I. Y., Lee, C., & Longo, V. D. (2017). Nutrition and fasting mimicking diets in the prevention and treatment of autoimmune diseases and immunosenescence. Molecular and Cellular Endocrinology, 455, 4–12.
  9. [9] Mohammadzadeh, M., Amirpour, M., Ahmadirad, H., et al. (2025). Impact of fasting mimicking diet (FMD) on cardiovascular risk factors: a systematic review and meta-analysis of randomized control trials. Diabetology & Metabolic Syndrome, 17, 137.
  10. [10] Mishra, A., Mirzaei, H., Guidi, N., Vinciguerra, M., Mouton, A., Linardic, M., Rappa, F., Barone, R., Navarrete, G., Wei, M., Brandhorst, S., Di Biase, S., Morgan, T. E., Kumar, S. R., Conti, P. S., Pellegrini, M., Bernier, M., De Cabo, R., & Longo, V. D. (2021). Fasting‑mimicking diet prevents high‑fat diet effect on cardiometabolic risk and lifespan. Nature Metabolism, 3, 237–248.
  11. [11] Micarelli, A., Mrakic-Sposta, S., Vezzoli, A., Malacrida, S., Caputo, S., Micarelli, B., Misici, I., Carbini, V., Iennaco, I., Granito, I., Longo, V. D., Alessandrini, M. (2025). Chemosensory and cardiometabolic improvements after a fasting-mimicking diet: a randomized cross-over clinical trial. Cell Reports Medicine, 6(2), 101971.

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