Erkrankungen

Binge-Eating-Syndrom

Medizinisch geprüft von Dr. med. Johannes von Büren

Zuletzt aktualisiert am

Binge-Eating: Ursachen & Folgen der Krankheit

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Das Wichtigste in Kürze

  • BES ist die häufigste Essstörung in Deutschland und betrifft bis zu 4 % der Erwachsenen.
  • Wiederkehrende Essanfälle und Schamgefühle kennzeichnen die Störung.
  • Psychologische, genetische und umweltbedingte Faktoren spielen bei der Entstehung eine Rolle.
  • Die kognitive Verhaltenstherapie ist eine wirksame Behandlungsoption.
  • Ohne Behandlung kann BES zu physischen und psychischen Folgeerkrankungen führen.

Was ist Binge Eating?

Das Binge-Eating-Syndrom (BES) ist eine psychische Erkrankung, die unbehandelt zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen kann. Es ist die häufigste Essstörung in Deutschland – häufiger als Magersucht oder Bulimie. Rund 4 % der Erwachsenen zwischen 20 und 30 Jahren sind betroffen, Frauen doppelt so häufig wie Männer [1].

Betroffene erleben wiederkehrende, unkontrollierbare Essanfälle, die sich von gelegentlichem Heißhunger unterscheiden. Anders als bei Bulimie oder Magersucht versuchen Menschen mit BES in der Regel nicht, durch Erbrechen oder Fasten ihr Gewicht zu kontrollieren [2]. Dennoch leiden viele Betroffene unter Gewichtszunahme und den damit verbundenen Folgen.

Das Night-Eating-Syndrom wird als eine Form der Binge-Eating-Störung diskutiert. Dabei handelt es sich um ein noch sehr unerforschtes Krankheitsbild, bei dem Betroffene nicht ein- oder durchschlafen können, bevor sie etwas, meist hochkalorisches gegessen haben.

Binge Eating: Symptome und Diagnose

Die Diagnose erfolgt anhand der Kriterien des Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen (DSM-5) [3]:

  1. Essanfälle treten mindestens einmal pro Woche über drei Monate auf:
  • Verzehr außergewöhnlich großer Nahrungsmengen in kurzer Zeit
  • Gefühl des Kontrollverlusts
  1. Während oder nach einem Essanfall treten mindestens drei der folgenden Merkmale auf:
  • Ungewöhnlich schnelles Essen
  • Essen bis zu einem unangenehmen Völlegefühl
  • Essen ohne körperlichen Hunger
  • Allein essen aus Scham
  • Ekel- oder Schuldgefühle
  • Erhöhter Leidensdruck durch die Essanfälle
  1. Die Essanfälle sind nicht mit gewichtsregulierenden Maßnahmen wie Erbrechen, Fasten oder Abführmittelmissbrauch verbunden.

Ein Binge-Eating-Test, wie die Binge Eating Scale [4], kann die Diagnose unterstützen. Er ersetzt jedoch nicht die ärztliche Diagnostik.

Ursachen und Auslöser von Binge Eating

Die Ursachen für BES sind komplex und umfassen psychologische, genetische und umweltbedingte Faktoren [5,6]:

Psychologische Faktoren

  • Geringes Selbstwertgefühl und negative Selbstwahrnehmung
  • Schwierigkeiten bei der Emotionsregulierung
  • Stress, unverarbeitete Traumata, Depressionen und Angststörungen

Viele Betroffene nutzen Essen, um unangenehme Gefühle wie Trauer oder Wut zu kompensieren.

Genetische und hormonelle Einflüsse

Eine familiäre Vorbelastung mit Essstörungen oder psychischen Erkrankungen erhöht das Risiko. Auch neurobiologische Veränderungen und Hormonstörungen können zwanghaftes Essverhalten fördern [6].

Umwelteinflüsse

Umweltfaktoren einschließlich Leistungsdruck, Schlafmangel und Stress sowie dein soziales Umfeld und gesellschaftlicher Druck in Bezug auf Schlanksein können ebenfalls Auslöser sein. Einsamkeit und soziale Isolation kann eine BES genauso verstärken wie Beziehungsschwierigkeiten oder ein negatives Selbstbild aufgrund von Vergleichen mit anderen oder einem gesellschaftlich vorherrschenden Schönheitsideal.

Essverhalten

Das eigene Essverhalten kann unkontrollierte Essattacken fördern. Diäten, Fastenphasen sowie Ernährungs-Einschränkungen können nachweislich dazu führen, dass das Verlangen nach Nahrung steigt und somit ein Kontrollverlust gefördert wird.

Langfristige Folgen von Binge-Eating

Ohne Behandlung kann BES zu schweren körperlichen und psychischen Folgeerkrankungen führen [7,8]:

Körperliche Folgen

  • Übergewicht und Adipositas
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Bluthochdruck)
  • Typ-2-Diabetes
  • Gelenkprobleme und andere Erkrankungen des Bewegungsapparats
  • Erhöhtes Risiko für bestimmte Krebsarten

Psychische Folgen

Auch wenn psychische Folgen bereits ursächlich vorhanden gewesen sein können, ist es ebenfalls möglich, dass sie durch eine BES verstärkt oder erstmalig hervorgerufen werden. Das Gefühl des wiederkehrenden Kontrollverlusts inklusive Schuld- und Schamgefühle kann zu folgenden Symptomen führen:

  • Niedriges Selbstwertgefühl und Isolation
  • Depressionen und Angststörungen
  • Erhöhtes Risiko für Suizid bei gleichzeitigem Vorliegen einer Depression

Therapie von Binge-Eating

Das Binge-Eating-Syndrom wird vorwiegend psychotherapeutisch behandelt. Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist die am besten belegte Therapieform [9]. Bei schweren Fällen kann eine stationäre Behandlung notwendig sein.

Behandlungsziele

  • Auslöser erkennen: Betroffene lernen, ihre Essanfälle zu beobachten und alternative Bewältigungsstrategien anzuwenden.
  • Gefühle akzeptieren: Emotionen zulassen und verarbeiten, anstatt sie mit Essen zu unterdrücken.
  • Essverhalten normalisieren: Regelmäßige Mahlzeiten reduzieren das Risiko von Essanfällen.
  • Selbstakzeptanz stärken: Betroffene lernen, ihren Körper zu akzeptieren und sich vom gesellschaftlichen Schönheitsideal zu lösen.
  • Rückfallprophylaxe: Notfallpläne helfen, Rückfälle zu vermeiden.

Erfolg

Geschafft habe ich bis jetzt 12,5 kg in 7 Monaten und obwohl es natürlich am Anfang leichter war und jetzt langsamer geht, scheint mir das Ziel realistisch.

Andrea
Andreas Geschichte lesen

Prognose

Mit einer geeigneten Therapie können rund 50 % der Betroffenen symptomfrei werden. Weitere 50 % erleben eine Verbesserung ihrer Symptome. [9]

Fazit

Die Binge-Eating-Störung ist eine komplexe, aber behandelbare Erkrankung. Mit der richtigen Therapie können Betroffene langfristig ein gesundes und erfülltes Leben führen.

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