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Wie Übergewicht chronische Entzündungen fördert

Medizinisch geprüft von Dr. med. Johannes von Büren

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Wie Übergewicht chronische Entzündungen fördert

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Unterschied akute und chronische Entzündungen

Entzündungen sind grundsätzlich eine wichtige Reaktion des Körpers. Sie helfen, sich vor Verletzungen und Infektionen zu schützen. Dabei gibt es zwei Formen: akute und chronische Entzündungen.

Akute Entzündungen entstehen plötzlich

Sie treten zum Beispiel auf, wenn du dich schneidest oder krank wirst. Typische Anzeichen sind Rötung, Schwellung, Schmerz oder Wärme. Dein Körper arbeitet gezielt daran, die Ursache zu beseitigen. Sobald das geschafft ist, klingt die Entzündung wieder ab. [2]

Chronische Entzündungen verlaufen anders

Sie entwickeln sich langsam und bleiben oft lange bestehen. Häufig spürst du keine klaren Beschwerden. Das Immunsystem bleibt trotzdem aktiv, auch wenn keine akute Gefahr vorliegt. Fachleute sprechen hier von einer dauerhaften, niedriggradigen Aktivierung, auch „low-grade inflammation“ genannt [1]. Diese dauerhafte Aktivität kann deinen Körper belasten. Vor allem dann, wenn sie viele Jahre anhält.

Ursachen von chronischen Entzündungsprozesse im Körper

Chronische Entzündungen entstehen meist durch mehrere Faktoren, die zusammenwirken. Bestimmte Einflüsse können deinen Körper dabei besonders belasten [2]. Dazu zählen:

Übergewicht, insbesondere Fettgewebe im Bauchraum: Überschüssiges Fettgewebe kann entzündliche Prozesse im Körper fördern. Besonders Fett im Bauchbereich wirkt sich dabei stärker aus.

Viszerales Fett („Bauchfett“): Dieses Fett liegt um die inneren Organe und ist stoffwechselaktiv. Dabei werden Botenstoffe freigesetzt, die Entzündungen im Körper verstärken [4].

Bewegungsmangel: Fehlt regelmäßige Bewegung im Alltag, fehlen wichtige Reize, die entzündungshemmend wirken können. Schon kleine Veränderungen können hier unterstützen.

Ernährungsgewohnheiten mit vielen stark verarbeiteten Lebensmitteln: Eine Ernährung mit vielen stark verarbeiteten Produkten kann Entzündungen begünstigen. Bereits kleine Anpassungen im Alltag können einen Unterschied machen [2]. Erfahre hier mehr über eine ausgewogene Ernährung

Chronischer Stress: Anhaltender Stress versetzt den Körper in eine dauerhafte Alarmbereitschaft. Das kann entzündliche Prozesse verstärken [2].

Schlafmangel: Wenn der Körper nicht ausreichend Erholung bekommt, kann die Bildung entzündungsfördernder Stoffe zunehmen. Schlaf ist wichtig für die Regeneration [3].

Rauchen: Rauchen kann den Körper zusätzlich belasten und steht im Zusammenhang mit chronischen Entzündungen.

Zusammenhang zwischen Entzündungen und Übergewicht

Übergewicht steht in engem Zusammenhang mit chronischen Entzündungen im Körper.

Fachleute betrachten Adipositas heute auch als eine Erkrankung, bei der entzündliche Prozesse eine zentrale Rolle spielen [1]. Ein entscheidender Faktor ist das Fettgewebe. Es dient nicht nur als Energiespeicher, sondern ist auch aktiv am Stoffwechsel beteiligt. Besonders Fettgewebe im Bauchraum kann Botenstoffe freisetzen, die Entzündungen fördern [4].

Diese Botenstoffe werden in der Fachsprache Zytokine genannt. Sie wirken wie Signale im Körper und aktivieren das Immunsystem. Dadurch entsteht ein Zustand, in dem der Körper dauerhaft leicht entzündet ist, auch ohne akute Erkrankung. Mit zunehmendem Fettgewebe kann sich dieser Prozess verstärken. Es entsteht ein Kreislauf: Mehr Fettgewebe fördert Entzündungen, und diese Entzündungen können wiederum weitere Prozesse im Körper beeinflussen.

Die Rolle der Botenstoffe im Fettgewebe

Das Fettgewebe gibt Botenstoffe ab, die Entzündungen im Körper beeinflussen können [5]. Einige dieser Stoffe fördern Entzündungen. Fachleute nennen sie Adipokine. Dazu gehören unter anderem Leptin, TNF-α und Interleukin-6. Sie wirken wie Signale im Körper und zeigen, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Dadurch werden Abwehrzellen ins Fettgewebe gelockt. Diese Zellen sollen den Körper eigentlich schützen. Sie reagieren auf die ausgesendeten Signale aus dem Fettgewebe und bleiben dauerhaft aktiv. Dabei setzen sie selbst weitere entzündungsfördernde Stoffe frei und verstärken so die Entzündung [4]. Es entsteht ein Kreislauf, bei dem sich die Entzündung immer weiter verstärkt.

Zusätzlich kann das Fettgewebe schlechter durchblutet sein. Die Zellen bekommen weniger Sauerstoff. Das kann Stress in den Zellen auslösen und Entzündungen weiter verstärken. Gleichzeitig bildet der Körper weniger Stoffe, die Entzündungen bremsen. Dieses Ungleichgewicht trägt dazu bei, dass die Entzündung bestehen bleibt [5].

Ein mögliches Zeichen für diese Prozesse ist ein erhöhter CRP-Wert im Blut. CRP steht für „C-reaktives Protein“. Dabei handelt es sich um einen Stoff, den die Leber bildet, wenn im Körper Entzündungen ablaufen. Dieser Wert wird häufig genutzt, um stille Entzündungen im Körper sichtbar zu machen.

Körperliche Veränderungen durch Entzündungen

Chronische Entzündungen können verschiedene Abläufe im Körper beeinflussen. Sie wirken sich nicht nur an einer Stelle aus, sondern betreffen oft mehrere Organe gleichzeitig.

Ein wichtiger Bereich ist der Zuckerstoffwechsel. Entzündungsfördernde Botenstoffe können die Wirkung von Insulin stören. Insulin ist ein Hormon, das den Zucker aus dem Blut in die Zellen bringt. Wenn diese Wirkung gestört ist, bleibt mehr Zucker im Blut. Dieser Zustand wird als Insulinresistenz bezeichnet [6]. Dadurch kann das Risiko für Typ-2-Diabetes steigen. Gleichzeitig kann sich der Kreislauf weiter verstärken, da erhöhte Blutzuckerwerte wiederum Entzündungen fördern können.

Auch die Blutgefäße können betroffen sein. Entzündungen können die Gefäßwände verändern und zur Entstehung von Ablagerungen beitragen. Dadurch steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen [7].

Diese Prozesse laufen oft über lange Zeit unbemerkt ab. Umso wichtiger ist es, die Zusammenhänge zu verstehen und den Körper im Alltag gezielt zu unterstützen.

Folgen von chronischen Entzündungen

Chronische Entzündungen können das Risiko für verschiedene Erkrankungen erhöhen. Dazu zählen unter anderem [8]:

  • Typ-2-Diabetes: Entzündungen können die Wirkung von Insulin stören. Dadurch bleibt mehr Zucker im Blut und der Stoffwechsel gerät aus dem Gleichgewicht.
  • Herzinfarkt und Schlaganfall: Entzündungen können die Blutgefäße schädigen und Ablagerungen fördern. Das erhöht das Risiko für akute Herz-Kreislauf-Ereignisse.
  • Atherosklerose: Dabei verändern sich die Gefäßwände und verengen sich. Entzündungen spielen eine wichtige Rolle bei diesem Prozess.
  • Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung: In der Leber kann sich vermehrt Fett einlagern. Entzündungen können diese Entwicklung zusätzlich verstärken.
  • Bestimmte Krebsarten: Dauerhafte Entzündungen können Zellveränderungen begünstigen und stehen mit einigen Krebsarten in Verbindung.
  • Neurodegenerative Erkrankungen: Auch das Nervensystem kann betroffen sein. Entzündungen werden mit Erkrankungen wie Alzheimer in Zusammenhang gebracht.

Diese Erkrankungen entstehen meist über viele Jahre. Umso wichtiger ist es, die Prozesse früh zu verstehen und den Körper im Alltag zu unterstützen.

Chronische Entzündungen erkennen

Chronische Entzündungen verlaufen oft unbemerkt, da sie keine klaren oder eindeutigen Symptome verursachen. Viele Anzeichen sind eher allgemein und lassen sich nicht sofort einordnen. Einige Menschen berichten über anhaltende Müdigkeit oder ein Gefühl von Erschöpfung. Auch Konzentrationsprobleme oder ein „vernebeltes“ Denken können auftreten. Zusätzlich können Beschwerden wie Gelenk- oder Muskelschmerzen vorkommen, ohne dass eine klare Ursache erkennbar ist [9].

Diese Anzeichen können auf eine chronische Entzündung hinweisen, müssen es aber nicht. Sie können auch andere Ursachen haben. Deshalb ist es sinnvoll, solche Beschwerden ärztlich abklären zu lassen. Da stille Entzündungen im Alltag schwer zu erkennen sind, spielen Blutwerte eine wichtige Rolle. Bestimmte Marker im Blut können Hinweise auf Entzündungsprozesse im Körper geben und helfen, diese besser einzuordnen.

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Diagnose von chronischen Entzündungen bei Übergewicht

Da chronische Entzündungen im Alltag oft nicht direkt spürbar sind, erfolgt die Diagnose in der Regel über Blutuntersuchungen. Dabei werden bestimmte Werte gemessen, die Hinweise auf entzündliche Prozesse im Körper geben. Ein wichtiger Marker ist das bereits erwähnte C-reaktive Protein (CRP). Ist dieser Wert erhöht, kann das auf eine Entzündung im Körper hinweisen. Zusätzlich können weitere Botenstoffe im Blut bestimmt werden, die zeigen, wie aktiv das Immunsystem ist. Dazu gehören unter anderem Interleukin-6 (IL-6) oder der Tumornekrosefaktor (TNF-α). Wenn diese Werte über längere Zeit erhöht sind, kann das ein Hinweis auf eine chronische, stille Entzündung sein [10].

Chronische Entzündungen lindern und vorbeugen

Ernährung und Bewegung

Bewegung kann helfen, entzündliche Prozesse zu reduzieren und den Stoffwechsel zu unterstützen [2]. Schon regelmäßige, moderate Aktivität im Alltag kann einen Unterschied machen, zum Beispiel durch Spaziergänge, Treppensteigen statt Aufzugfahren oder kurze Bewegungseinheiten zwischendurch.

Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten kann entzündungsfördernde Prozesse ausgleichen [2]. Ein Beispiel kann sein, häufiger frische Mahlzeiten einzuplanen oder verarbeitete Produkte schrittweise zu reduzieren.

Ausreichend Schlaf und Entspannung

Schlaf ist wichtig für die Regeneration des Körpers. Wenn der Körper ausreichend Ruhe bekommt, kann sich das Immunsystem besser beruhigen. Stresshormone werden reduziert, und es werden weniger entzündungsfördernde Botenstoffe gebildet. Dadurch können Entzündungen im Körper abnehmen [3]. Ein regelmäßiger Schlafrhythmus, wie feste Schlafenszeiten, kann dabei unterstützen.

Nahrungsergänzungsmittel

Einige Nahrungsergänzungsmittel, wie Omega-3-Fettsäuren, zeigen in Studien entzündungshemmende Effekte [11]. Für viele andere Produkte fehlen jedoch langfristige und eindeutige Nachweise. Ein erster Schritt kann sein, die Ernährung bewusster zu gestalten, bevor Nahrungsergänzungsmittel ergänzt werden.

Info: Besonders stark beworbene Produkte wie „Detox“-Kuren oder sogenannte „Superfoods“ sind oft nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Eine ausgewogene Ernährung bleibt die wichtigste Grundlage.

Gewichtsreduktion

Wenn Übergewicht vorliegt, kann eine Gewichtsreduktion helfen, Entzündungen zu verringern. Bereits moderate Veränderungen können sich positiv auf Entzündungswerte auswirken [12]. Ein möglicher Einstieg kann sein, Alltagsgewohnheiten schrittweise anzupassen, zum Beispiel mehr Bewegung einzuplanen oder Mahlzeiten bewusster zu gestalten.

Weitere Ansätze zur Unterstützung des Körpers

Darmgesundheit

Der Darm spielt eine wichtige Rolle für das Immunsystem. Im Darm leben viele Bakterien, die zusammen als Darmmikrobiom bezeichnet werden. Diese Bakterien helfen zum Beispiel bei der Verdauung, unterstützen das Immunsystem und beeinflussen Stoffwechselprozesse. Wenn das Gleichgewicht dieser Darmbakterien gestört ist, kann das Auswirkungen auf den Körper haben. Eine solche Störung wird als Dysbiose bezeichnet. Dabei kann die Schutzfunktion des Darms beeinträchtigt sein. Stoffe aus dem Darm können dann leichter ins Blut gelangen und dort Entzündungen fördern. Auch bei Übergewicht zeigen sich häufig Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmbakterien. [13]

Ernährung spielt hier eine wichtige Rolle. Ballaststoffe, zum Beispiel aus Vollkornprodukten, Gemüse oder Hülsenfrüchten, können die Darmgesundheit unterstützen. Auch sogenannte Präbiotika, also unverdauliche Nahrungsbestandteile, können die Darmgesundheit fördern. Dazu gehören zum Beispiel Ballaststoffe aus Lebensmitteln wie Zwiebeln, Knoblauch, Haferflocken oder Hülsenfrüchten.

Info: Aktuell wird auch an personalisierten Ernährungsansätzen geforscht, die auf das individuelle Darmmikrobiom abgestimmt sind. Hier fehlen jedoch noch langfristige Erkenntnisse.

Antikörper-Therapie

In bestimmten Situationen kann auch eine medikamentöse Behandlung eingesetzt werden. Dazu gehört die sogenannte Antikörper-Therapie. Antikörper sind Eiweißstoffe, die gezielt bestimmte Prozesse im Körper beeinflussen können. In diesem Fall greifen sie in Entzündungsprozesse ein und können diese abschwächen. Ein Beispiel ist der Wirkstoff Canakinumab. Er blockiert gezielt einen Botenstoff, der Entzündungen fördert. Dadurch kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesenkt werden. Diese Therapie kommt jedoch nur in bestimmten medizinischen Situationen zum Einsatz. Sie ist nicht für alle geeignet und wird gezielt von Ärzt:innen eingesetzt. Zudem können Nebenwirkungen auftreten, die weiterhin untersucht werden [8].

Wichtig: Diese Behandlungen ersetzen keinen gesundheitsfördernden Lebensstil. Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und der Umgang mit Stress bilden die Grundlage, um Entzündungen im Körper langfristig zu beeinflussen. Medikamentöse Therapien können in bestimmten Fällen unterstützen, stehen aber meist nicht an erster Stelle.

Quellen
  1. [1] Saltiel, A. R., & Olefsky, J. M. (2017). Inflammatory mechanisms linking obesity and metabolic disease. Journal of Clinical Investigation, 127(1), 1–4.
  2. [2] Calder, P. C. (2022). Dietary factors and low-grade inflammation in relation to overweight and obesity revisited. British Journal of Nutrition, 127(10), 1455–1457.
  3. [3] Irwin, M. R. (2019). Sleep and inflammation: partners in sickness and in health. Nature Reviews Immunology, 19, 702–715.
  4. [4] Elffers, T. W., et al. (2017). Body fat distribution, in particular visceral fat, is associated with cardiometabolic risk factors. PLOS ONE, 12(9), e0185403.
  5. [5] Blüher, M. (2019). Obesity: global epidemiology and pathogenesis. Nature Reviews Endocrinology, 15(5), 288–298.
  6. [6] de Luca, C., & Olefsky, J. M. (2018). Inflammation and insulin resistance. FEBS Letters, 592(17), 2976–2991.
  7. [7] Libby, P. (2021). The changing landscape of atherosclerosis. Nature, 592, 524–533.
  8. [8] Hotamisligil, G. S. (2017). Foundations of immunometabolism and implications for metabolic health and disease. Cell, 168(4), 619–631.
  9. [9] Sohrab, S. S., et al. (2023). Chronic inflammation’s transformation to cancer. Molecules, 28(11), 4413.
  10. [10] Ridker, P. M. (2016). A test in context: high-sensitivity C-reactive protein. Journal of the American College of Cardiology, 67(6), 712–723.
  11. [11] Calder, P. C. (2020). Omega-3 fatty acids and inflammatory processes: from molecules to man. Biochemical Society Transactions, 48(3), 1095–1107.
  12. [12] Santamarina, A. B., et al. (2023). Anthocyanins ameliorate obesity-associated metainflammation: Preclinical and clinical evidence. Nutrition Research, 114, 50–70.
  13. [13] Scheithauer, T. P. M., et al. (2020). Gut microbiota as a trigger for metabolic inflammation in obesity and type 2 diabetes. Frontiers in Immunology, 11, 571731.

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