Erkrankungen

Völlegefühl: Ein Symptom mit vielen Ursachen

Medizinisch geprüft von Dr. med. Johannes von Büren

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Völlegefühl: Definition und Symptome

Von Völlegefühl ist die Rede, wenn Menschen sich (meistens nach dem Essen) übermäßig satt fühlen. Das „Vollsein“ resultiert in einem häufig unangenehmen Spannungsgefühl in Bauch-, Magen- und /oder Darmbereich. Es kann mit verschiedenen Beschwerden auftreten, typische Symptome:

  • Druck und Schmerzen im Bauchbereich
  • gewölbter Bauch (Blähbauch) und/oder Blähungen
  • Bauchkrämpfe
  • Appetitlosigkeit
  • Sodbrennen
  • Aufstoßen
  • Übelkeit

Wie lange dauert Völlegefühl an, wenn ich zu viel gegessen habe?

Falls du eine üppige Mahlzeit zu schnell verzehrt hast und ein unspezifisches Völlegefühl empfindest, hält es zumeist ein Weile an und verschwindet dann problemlos von selbst. Oft ist es auch möglich, direkt eine Ursache zuzuordnen. In seltenen Fällen bleibt das unangenehme Gefühl über mehrere Stunden bestehen.

Häufige Ursachen von Völlegefühl

Die Ursachen für ein unangenehmes Völlegefühl sind vielfältig. Auch wenn die Beschwerden in erster Linie oft mit unserer Ernährung zusammenhängen, gibt es weitere Gründe. Hier findest du einen Überblick:

Nahrungsaufnahme

Ob Mittagessen oder Snacks, die Kombination von ungünstigen Einflussfaktoren kann die Symptomatik verstärken, wie z.B. zu fettig, zu viel und in Hektik gegessen. Hinter dem können ungünstige Ernährungsgewohnheiten stecken. Empfehlenswert ist eine überwiegend ausgewogene Ernährungsweise. In seltenen Fällen ist es denkbar, dass die Lebensmittelauswahl oder Unverträglichkeiten ursächlich sind. Verantwortlich dafür können unter anderem z. B. Hülsenfrüchte, fettige und/oder kohlenhydrathaltige Speisen (wie frittierte Speisen), Kohl -, Paprika- oder Zwiebelgemüse, frische Backwaren, sehr süße oder geräucherte Lebensmittel oder hartgekochte Eier sein [3].

Luftschlucken (Aerophagie)

Schnelles Essen führt manchmal dazu, dass Menschen vermehrt Luft schlucken. Der medizinische Begriff lautet „Aerophagie“. Üblicherweise stößt der Körper die Luft wieder aus – dann „rülpsen“ wir. Das ist aber nicht immer der Fall. Es kann sein, dass die Luft tiefer in den Verdauungstrakt gelangt und Probleme verursacht. Auch durch eine verstärkte Mundatmung, die beispielsweise mit einer verstopften Nase einhergeht, gelangt Luft in den Magen.

Verdauungsstörungen und Erkrankungen

Wer häufiger unter Völlegefühl leidet, sollte dies nicht auf die leichte Schulter nehmen. Insbesondere wenn du wiederkehrend unter einem Völlegefühl leidest, hole dir medizinischen Rat ein. Dahinter können mehrere Erkrankungen stecken, denkbar ist z.B. eine Gastroparese.

Medikamente

Sowohl Medikamente gegen Bluthochdruck als auch Herz-Kreislauf-Medikamente und Schmerzmittel können unsere Darmtätigkeit beeinflussen. So kann es unter anderem zu Verstopfungen kommen, wenn du sogenannte Diuretika nimmst – also entwässernde Medikamente bei beispielsweise Bluthochdruck [4]. In diesem Zusammenhang treten manchmal auch Blähungen und ein Völlegefühl auf.

Psychische Ursachen

Der Körper reagiert bekanntlich auf Stress – vor allem hängt das Verdauungssystem eng mit unserer Psyche zusammen [2]. Deshalb ist es möglich, dass ein Völlegefühl im Zusammenhang mit seelischer Belastung, Ängsten und übermäßigem Stress auftritt. Wer zum Beispiel unter einer Depression leidet, kann gelegentlich psychosomatische Probleme feststellen, die besonders „auf den Magen schlagen”.

Wie wird eine Diagnose gestellt?

Bei anhaltenden Beschwerden sollten Betroffene immer medizinische Hilfe suchen. Nicht in jedem Fall reichen Hausmittel aus. So ist es möglich, dass dein Arzt oder deine Ärztin neben der Anamnese spezielle Untersuchungen, etwa Magen- und/oder Darmspiegelungen, anordnet. Falls der Verdacht auf eine Unverträglichkeit besteht, kann in einigen Fällen ein Atemtest Aufschluss geben.

Wie sieht eine Behandlung aus?

Die Behandlung des Völlegefühls hängt immer von der Ursache ab. Je nach Ursache, Störung oder Erkrankung reicht das Behandlungsrepertoire von milden Hausmitteln über Medikamente bis hin zu einer Operation. Beschwerden, die mit unserem Verdauungstrakt zusammenhängen, sollten ganzheitlich behandelt werden. So ist es beispielsweise beim Reizdarmsyndrom oft hilfreich, auf alle Lebensbereiche zu schauen, die mit einem erhöhten Stresspegel zusammenhängen. Häufig verbessern sich die Beschwerden nicht nur, wenn Patient:innen ihre Ernährung anpassen, sondern auch seelischen Belastungen auf den Grund gehen.

Tipps zur Vorbeugung von Völlegefühl im Magen

Es gibt einige Möglichkeiten, wie du dem Völlegefühl selbst vorbeugen kannst, da unsere Ernährungsgewohnheiten entscheidend sind. Schon kleine Anpassungen im Alltag helfen. Hier unsere Tipps:

1. Plane regelmäßige Mahlzeiten ein

Regelmäßige Mahlzeiten haben mehrere Vorteile: Du beugst Heißhunger vor, isst aufgrund der Planung stressfreier und reduzierst das Risiko, unter Völlegefühl zu leiden. Plane dir feste Zeiten ein, die für deine Essenspausen vorgesehen sind.

2. Bleib in Bewegung

Wer in Bewegung bleibt, erhöht seine Fitness und tut etwas Gutes für die Verdauung. Umgekehrt kann Bewegungsmangel Verdauungsbeschwerden begünstigen. Ob regelmäßige Spaziergänge, ein Tanzkurs oder Radfahren – wichtig ist, körperlich aktiv zu sein.

3. Gönne dir kleine Portionen

Wenn der große Hunger ruft, tendieren viele Menschen zu einer größeren Mahlzeit. Zudem essen wir unbewusst schneller, wenn der Magen knurrt. Deshalb „überhören“ wir manchmal das Sättigungsgefühl – und die Wahrscheinlichkeit des Überessens steigt. Um Völlegefühl vorzubeugen, solltest du deshalb regelmäßig kleinere Zwischenmahlzeiten einplanen.

4. Iss achtsam und mit Genuss

Kaue jeden Bissen deiner Mahlzeit gut durch und genieße dein Essen ganz bewusst. Achtsames Essen verhilft dir insgesamt zu einem besseren Körpergefühl. Gleichzeitig wirst du merken, dass du so einem Völlegefühl entgegenwirkst. On top: Der Genusswert deiner Mahlzeit steigt beim achtsamen Essen! Tiefergehende Empfehlungen findest du hier.

5. Trinke genug

Um deine Darmtätigkeit anzuregen und dem Völlegefühl keine Chance zu geben, ist es wichtig, genügend Wasser zu trinken. Nicht auf einmal – sondern regelmäßig über den Tag verteilt.

6. Wähle deine Lebensmittel mit Bedacht aus

Versuche den Verzehr von besonders fettigen und zuckerhaltigen Nahrungsmitteln zu verringern. Im Rahmen einer Ernährungsumstellung wirst du gleichzeitig feststellen, dass es nicht auf strenge Verbote, sondern auf eine gute Balance ankommt. Ob du bestimmte Lebensmittel gut verträgst, merkst du, wenn du auf die Reaktion deines Körpers hörst. Möglicherweise ist es hilfreich, wenn du blähende Lebensmittel seltener isst. Die goldene Regel lautet: Erlaubt ist, was dir bekommt.

Völlegefühl trotz wenig essen: Ab wann sollte ich zum Arzt?

Suche die ärztliche Hilfe, sobald du feststellst, dass dein Völlegefühl häufig und auch unabhängig von üppigen Mahlzeiten oder hastigem Essen auftritt. Auch starke Symptome, die einen hohen Leidensdruck verursachen, sollten abgeklärt werden. Anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen gehören dazu.
Quellen
  1. [1]
  2. [2]
  3. [3] Höfler, E., Sprengart, P. (2012). Praktische Diätetik Grundlagen, Ziele und Umsetzung der Ernährungstherapie: S149-51. 1. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart
  4. [4]

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