Adipositas-Behandlung

Übersicht: Medikamente zum Abnehmen

Medizinisch geprüft von Dr. med. Johannes von Büren

Zuletzt aktualisiert am

Medikamente zum Abnehmen: Welche Optionen gibt es?

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Einsatz von Medikamenten zum Abnehmen

Die Werbung verspricht es, doch die Wunderpille, die im Handumdrehen die Pfunde purzeln lässt, gibt es nicht. Es gibt dennoch Medikamente, die eine Gewichtsreduktion bei Adipositas unterstützen.

Medikamente zum Abnehmen alleine sind keine Lösung

Gründe für eine Medikamenteneinnahme:

  • eine lange Diätvergangenheit
  • Begleiterkrankungen
  • eine lang bestehende Adipositas
  • keine zufriedenstellende Gewichtsabnahme durch Lebensstilveränderungen

Grundsätzlich gilt, dass Medikamente eine Unterstützung sein können und keine alleinige Therapie für eine Gewichtsabnahme sind [1].

Kennst du deinen BMI?

Der BMI ist ein Maß zur Bewertung des Körpergewichts. Mit ihm kannst du herausfinden, ob du Übergewicht hast.

Wer verschreibt Medikamente zum Abnehmen?

Ob Medikamente zum Einsatz kommen, entscheiden die behandelnden Ärzt:innen. Gleichzeitig zur Medikamenteneinnahme ist es notwendig, dass du dir eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung angewöhnst. Das verhindert eine erneute Gewichtszunahme, wenn du die Medikamente absetzt. Eine konventionelle Adipositas-Therapie unterstützt dich dabei.

Wie viel nimmt man mit Medikamenten ab?

Bei gleichzeitiger Veränderung des Lebensstils können Medikamente dafür sorgen, dass etwa drei bis fünf Kilo im Jahr zusätzlich reduziert werden. Eine Studie zeigt, dass Menschen mit einer kalorienreduzierten Kost in Verbindung mit Orlistat bis zu 4,65 Kilo pro Jahr abgenommen haben. Dabei verloren die Probanden durch die Medikamenteneinnahme etwa 2,0 Kilo mehr in den ersten 12 Monaten, als die Vergleichsgruppe, die ein Placebo erhielt [2].

Kostenübernahme: Zahlt die Krankenkasse?

Medikamente zum Abnehmen gehören zu den „Lifestyle-Arzneimitteln“. Somit werden die Kosten in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland übernommen.

Motivation

Habe jetzt seit Weihnachten einen Stillstand um die 90 kg, nicht aufgeben, das Gewicht zu halten ist auch ein Erfolg.

Claudia
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Tabletten zum Abnehmen

Es gibt verschiedene rezeptpflichtige Tabletten, die unterschiedlich auf deinen Körper wirken, um eine Gewichtsabnahme zu unterstützen. Lass dich von deiner behandelnden Hausarztpraxis beraten, ob eine Kombination aus Ernährungsumstellung, Bewegung und Tabletten zum Abnehmen bei dir eine sinnvolle Therapieoption ist.

Orlistat: verringerte Fettaufnahme

Das Medikament Orlistat (Xenical®) blockiert die fettspaltenden Enzyme (Lipasen) im Dünndarm. Dadurch verdaut der Körper ca. 30 % der Nahrungsfette nicht. Eine fettarme Ernährung muss eingehalten werden, ansonsten kann es zu starken Nebenwirkungen kommen.

Orlistat wird zu jeder Hauptmahlzeit eingenommen. Je nach Studie kannst du mit Orlistat 4 kg pro Jahr zusätzlich zur Lebensstilumstellung abnehmen. [7,8]

Verschreibung:

  • BMI ab 28 mit Folge- oder Begleiterkrankungen
  • BMI ab 30 ohne Folge- oder Begleiterkrankungen
  • Nachweis: konventionelle Adipositastherapie führt nicht zum gewünschten Behandlungserfolg

➚ Hier kannst du deinen BMI ausrechnen.

Mögliche Nebenwirkungen:

  • fetthaltiger Stuhl
  • häufiger Stuhlgang
  • Magen-Darm-Beschwerden wie Blähbauch und Durchfall

Naltrexon/Bupropion: Appetithemmung

Die Wirkstoffkombination aus Naltrexon und Bupropion (Mysimba®) wirkt im Gehirn, hemmt den Appetit und steigert den Energieverbrauch des Körpers. Diese Tabletten zum Abnehmen werden oral eingenommen. Im Schnitt konnte in Studien eine Gewichtsreduktion von 5 bis zu über 15 % erreicht werden [5,9].

Verschreibung:

  • BMI ab 27 in Kombination mit Folge- oder Begleiterkrankungen
  • BMI ab 30 ohne Folge- oder Begleiterkrankungen
  • Nachweis: konventionelle Adipositastherapie führt nicht zum gewünschten Behandlungserfolg

Mögliche Nebenwirkungen:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Verstopfung
  • Schlaflosigkeit, Angstzustände
  • Kopfschmerzen
  • erhöhte Herzfrequenz [6]

Dieses Kombi-Präparat enthält zwei Wirkstoffe: Naltrexon und Bupropion. Die Substanzen wirken auf zwei verschiedene Bereiche im Gehirn und sollen dort den Appetit hemmen. Die Tabletten werden oral eingenommen und die Gabe schrittweise bis auf zwei Tabletten täglich gesteigert. Sollte es nach drei Monaten nicht zu einer Gewichtsabnahme von 5 % des Ausgangsgewichts gekommen sein, wird das Medikament nicht weiter verschrieben. Im Schnitt konnte eine Gewichtsreduktion von 5 bis zu über 15 % erreicht werden [5].

Verschreibung bei:

Naltrexon/Bupropion kann Menschen mit einem BMI ab 27 und zusätzlichen Begleiterkrankungen wie zum Beispiel Bluthochdruck oder Diabetes Typ 2 oder ab einem BMI von 30 verordnet werden.

Keine Verschreibung bei:

  • Patient:innen ab 75 Jahren
  • Nierenfunktionsstörungen
  • Lebererkrankungen
  • früherer oder aktueller Krampfneigung
  • Tumor des zentralen Nervensystems
  • bei Alkohol- oder Medikamentenentzug

Mögliche Nebenwirkungen:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Verstopfung
  • Schlaflosigkeit, Angstzustände
  • Kopfschmerzen
  • erhöhte Herzfrequenz [6]

Abnehmspritzen

Studien fanden heraus, dass bestimmte Antidiabetika (Medikamente gegen Diabetes) als Nebeneffekt das Körpergewicht senken. Zwei Wirkstoffe sind in der EU neben der Zulassung als Antidiabetika ebenfalls gegen Adipositas zugelassen. Anders als es möglicherweise in verschiedenen Medien kommuniziert wird, sind Abnehm-Spritzen keine leichtfertig einzusetzenden Medikamente für die allgemeine Bevölkerung. Sie stellen eine ergänzende Behandlungsoption bei Adipositas dar und sind verschreibungspflichtig.

Liraglutid und Semaglutid: Regulation von Hunger und Sättigungsgefühl

Bei den Wirkstoffen Liraglutid (Saxenda®) und Semaglutid (Ozempic®/ Wegovy®) handelt es sich um sogenannte GLP-1-Antagonisten, die ursprünglich zur Therapie von Diabetes Typ 2 entwickelt wurden, nun aber auch zur Behandlung von starkem Übergewicht eingesetzt werden.

Liraglutid und Semaglutid verbessern – bei erhöhten Blutzuckerwerten – den HbA1c-Wert (Langzeitblutzucker), steigern das Sättigungsgefühl durch eine verzögerte Magenentleerung und verringern Hunger und Appetit. Das führt zu einer starken Gewichtsabnahme. Liraglutid wird einmal täglich unter die Haut gespritzt, Semaglutid nur einmal wöchentlich.

Aus einer Studie geht hervor, dass adipöse Personen (ohne Diabetes) durch die Einnahme von Semaglutid, in Verbindung mit einer Lebensstilintervention, nach etwas mehr als einem Jahr, ca. 14,9 % Gewicht verloren und der BMI um 5,5 kg/m2 sank. In der Placebogruppe, die nur eine Lebensstilintervention erhieltet, wurde lediglich eine Gewichtsabnahme von ca. 2,4 % beobachtet. Ungefähr ein Drittel der Studienteilnehmenden der Semaglutid-Gruppe erreichten sogar einen Gewichtsverlust von über 20 %. Somit sind die Therapieerfolge bei Semaglutid größer als bei Liraglutid [12,13].

Vor allem Semaglutid (Ozempic®) wird als neues „Wundermittel“ zur Gewichtsreduktion kommuniziert. Seit seiner Zulassung (01/22) ist Ozempic® durch Lieferengpässe des Herstellers in Deutschland nicht erhältlich [14].

Verschreibung:

  • BMI ab 27 kg/m2 in Kombination mit Folge- oder Begleiterkrankungen
  • BMI ab 30 kg/m2 ohne Folge- oder Begleiterkrankungen Nachweis notwendig, dass vorab eine konservative Adipositastherapie (Bewegungs-, Ernährungs-, Verhaltenstherapie) durchgeführt wurde und nicht zum gewünschten Behandlungserfolg geführt hat.

→ Hier kannst du deinen BMI ausrechnen.

Mögliche Nebenwirkungen:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Unterzuckerung
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Bauchschmerzen [3,4]

→ Beschwerden im Magen-Darm-Trakt sind eine häufige Nebenwirkung in der Anfangszeit. Die Dosis wird deshalb schrittweise erhöht. Daher sollten die Medikamente, nur bei medizinischer Notwendigkeit, von spezialisierte Ärzt:innen verschrieben werden. Außerdem sollte die Anwendung überwacht werden.

Semaglutid: Kosten für die Abnehm-Spritzen

Da Semaglutid in Deutschland durch Lieferengpässe nicht lieferbar ist, können die Behandlungskosten nur geschätzt werden. In Dänemark, dem Land, in dem Semaglutid bereits zur Adipositastherapie erhältlich ist, belaufen sich die monatlichen Kosten auf 180–320 Euro im Monat. Wenn Semaglutid in Deutschland zukünftig gegen Adipositas erhältlich ist, müssen die Kosten voraussichtlich selbst von den Patient:innen getragen werden. Ein bestehendes Gesetz schließt die Kostenerstattung für Medikamente zum Appetitzügeln und zur Körpergewichtsregulation durch die Krankenkassen aus. [15,16,17]

Der größten Kritikpunkt: Aus Studien geht hervor, dass es in den meisten Fällen wieder zu einer Gewichtszunahme kommt, sobald die Medikamente abgesetzt werden. Zudem scheint die Wirksamkeit mit der Zeit nachzulassen, wodurch nach ca. einem Jahr ein Plateau erreicht wird.

Am wirksamsten scheint die Einnahme der Medikamente, in Kombination mit einer Adipositastherapie zu sein – denn nach einer erfolgreichen Verhaltensänderung, konnte das Gewicht weiterhin gehalten werden, auch wenn die Medikamente abgesetzt wurden. Bei diesen Medikamenten handelt es sich somit nicht um Wundermittel, aber um eine neue vielversprechende Therapiemöglichkeit, die im besten Fall immer gemeinsam mit anderen therapeutischen Maßnahmen umgesetzt werden sollte.

Rezeptfreie Präparate und Tabletten zum Abnehmen

Es werden immer wieder neue rezeptfreie Mittel zum Abnehmen angeboten. Nimm dich vor großen Versprechungen in Acht. Bei vielen als gewichtsreduzierend beworbenen Mitteln ist diese Wirkung nicht wissenschaftlich bestätigt.

Wenn du dich für rezeptfreie Medikamente zum Abnehmen interessierst, sprich die Einnahme ärztlich ab. Einige dieser Präparate können die Wirkung von anderen Medikamenten abschwächen oder verstärken.

Nachhaltig abnehmen: So funktioniert es

Es gibt viele Diäten und viele von ihnen fördern zwar die Gewichtsabnahme, sind aber langfristig nicht zum Abnehmen geeignet. Es ist entscheidend, dein neues Gewicht langfristig halten zu können – und das ohne Jojo-Effekt.

Ernährung dauerhaft umstellen

Was für eine erfolgreiche Gewichtsreduktion notwendig ist: eine dauerhafte Ernährungsumstellung. Das bedeutet, deine Essgewohnheiten so zu verändern, dass du nicht nur Gewicht verlierst, sondern dieses auch ohne weitere Diäten halten kannst.

Nachhaltige Veränderungen mit professioneller Unterstützung

Deine Ernährung umzustellen und gesunde Gewohnheiten aufzubauen, die du langfristig beibehältst und die dich davor schützen wieder zuzunehmen, ist alleine gar nicht so leicht. Vor allem dann, wenn du schon lange Übergewicht oder Adipositas hast und bereits mehrmals versucht hast, abzunehmen. Damit es beim nächsten Versuch auch funktioniert, hole dir am besten professionelle Unterstützung – das geht übrigens auch digital.

Häufig gestellte Fragen

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